Das Kulturleitbild 2020 bis 2023 - zum downloaden hier. Achtung! 150 Seiten stark.

Zusammenfassung und Kommentare zur Bildenden Kunst

Kurzfassung: Das Leitbild ist durchzogen von fehlendem Gestaltungswillen und Weitsicht. Probleme verschwinden nicht, wenn man sie auf Papier notiert; es braucht dazu politischen Durchsetzungswillen und vor allem fachliche Kompetenz in der Organisationseinheit Kultur Stadt Zürich.

Dies jedenfalls aus Sicht der Künstler und Künstlerinnen, die sich als Aktivisten verstehen, also über ihr eigenes Ding hinaus engagiert sind, die davon ausgehen ihr Schicksal könne der Gesellschaft nicht gänzlich egal sein, weil ihr kulturelles Tun ihr im Ganzen nützt. Oder, die einen Lohnanteil gerne von dort beziehen würden wo ihre Angelegenheiten von Amtes wegen gefördert wird; die sich abschuften, ökonomische und gesundheitliche Risiken für sich und ihre Familien auf sich nehmen nur dann freundlich von der Gesellschaft behandelt werden, wenn sie den alltäglichen Businessbetrieb nicht stören, also erst in der Freizeit unaufdringlich und unterhaltend agieren und möglichst billig dienen. Dienen ist auch gemäss diesem Leitbild die grösste Maxime, die die Stadt für die Künstler bereithält. Entweder als Gaukler in den Quartieren zur Unterhaltung (günstig, niederschwellig, famillienorientiert) der Wähler oder als Propaganda für Mitte-Links-Parolen in den Kunstinstitutionen (Symbolische Poltitkunst) und als Beigabe in denselben öffentlich finanzierten Hallen Behandlungszimmer für den unter Störungen leidenden Teil der Bevölkerung tolerieren, die ihre neoliberalen Auswüchse nicht mit ihrer philantropischen Natur zusammenbringen.

Die Umsetzung der konstruktiven Ideen ist und bleibt in der Regel stecken, bspw. in der zähflüssigen Realität der langjährigen Subventionsvereinbarungen und dem Unwillen den Blick zu schärfen, die Kunst im Kern erkennen zu wollen. Das zeigt sich besonders drastisch darin, dass das Amt als Berater nur Personal einstellt, die von der Praxis eines Künstlers keine Ahnung haben oder aus den prosaischen Katalogen und den soziologisch und pädagogisch geprägten Ideal der Hochschulen kennen. Niemand verwundert es, wenn ein Skeptiker des Klimawandel Fachliteratur zur Beweisführung heranzieht, deren Expertisen auf fragwürdigen Grundlagen stehen, die ihm zudienen. Schickt das Kulturamt einen Statistiker und einen Soziologen aufs Feld um die Stars von Establishment und Medien über die Künstler auszufragen, dient das Resultat nur zur Verschleierung der Inkompetenz und ist eine Messlatte für die Mutlosigkeit kulturpolitisches Tacheles zu reden. Diese seit geraumer Zeit anhaltende Verschleierungsmanöver der Kulturfunktionäre könnte ja auch lustig und ein wenig tröstlich sein - weil allzu menschlich -, wenn nicht ganz klar wäre, dass in der neuen Ordnung der Welt*, die Dinge einfach nicht besser werden, wenn man zuwartet, sondern die Dinge aus dieser Welt einfach verschwinden. Die Bildenden Künstler* in ihr spätkapitalistisches Schicksal gleiten zu lassen, könnte man wenigstens transparent halten. Dann hätte die Kunst an ihrem historischen Ende wenigstens die Gesellschaft dazu bewegt, für einmal Farbe zu bekennen und die Konsequenzen dann auch zu tragen. Natürlich sind nicht alleine die Kulturdepardemente und ihre Vertreter für das Dilemma verantwortlich. Die Allianz der Profiteure ist breit aufgestellt und selbst, die darunter leidenden Kunstschaffenden, neigen dazu, die Faust nur im Sack zu machen. Dennoch trägt das Präsidialdepardement und ihr Chef Corinne Mauch letztlich die Verantwortung für Personalentscheide und die Zielsetzung im Organisationsbereich Kultur der Stadt Zürich.

*Neue Ordnung bezeichnet die Welt nach dem 11. September, die Welt nach der digitalen Revolution und nach der New-Economy-Bewegung.

*Gemeint sind hier besonders jene Sparten, die durch ihre Verbundenheit zum Material wenig flexibel und mobil sind. Meist also klassischen Disziplinen, die auch meist individualistisch geprägt und zeitintensiv sind. Faktoren, die einen grossen politischen Gestaltungswillen voraussetzen. Deshalb ist es nicht argwöhnisch zu vermuten, dass die Stadt das Problem löst indem sie ihr Augenmerk auf die flexibleren udn räumlich anspruchsloseren Sparten lenkt und dabei zynisch darauf hofft es falle dann niemanden auf. Sollten die Präsidialdirektion das nicht absichtlich machen, bliebe nur die Ausrede der Inkompetenz.


Ein paar der neuen Fragestellungen sind positiv zu bewerten. Sie sind klarer und detailierter formuliert und man hat immerhin ein paar Anregungen von Aussen in den Wunschkatalog einfliessen lassen, wenn auch nicht mit dem gleichen Enthusiasmus, wie man seine Lethargie zu verdecken versucht. Mängel sind im Evaluationsprozess zu finden, wo das Amt in seiner Zusammenarbeit mit externen Berater die Interessenlagen nicht genügend geklärt hat. Anders ist die einseitige Zusammenstellung - ohne künstlerische Mitwirkung auf Augenhöhe - von Beratern nicht zu erklären. Augenhöhe meint hier, dass nicht die Organisation von Gesprächsforen ist zielführend - dort gibt es immer unsachliche Voten und wenig Spielraum für eine vertiefte Analyse der Problematik -, sondern die institutionalisierte Mitwirkung der Kunstschaffende, die sich bereits in der realen Welt behauptet haben. Der erhebliche Einfluss der mächtigen Playaer wie die ZHDK und der globalisierte monetäre Teil der Kunstwelt sowie lokalem Establishment - von der Organisationseinheit Kultur Zürich sogar mit einem gewissen Stolz proklariert - verweisen auf die Betriebsblindheit und strategischer Zufälligkeit hin, die man sonst nur von Konzernen und der besten Armee der Welt kennt. Das Thema ist sensibel und schon nur aus Respekt jenen gegenüber, die an dem grossartigen Deal nicht teilhaben dürfen, gemahnt etwas mehr Bescheidenheit und weniger offensichtliche Ironie. Dazu gibt es auch überhaupt keinen Grund. Das Bewusstsein für die zukünftige Inkompatibilität des bestehenden Systems mit der Quantität* der Kulturgüter und -angebote, hat sich im Amt zwar gebildet, eine Reaktion oder mindestens eine Proklamation bleibt aber aus. Die Unzufriedenheit in den alten wie neuen Szenen wächst mit den planlosen Ausgaben für die Kulturtürme, anstatt dorthin zu gelangen, wo sie fachlich am dringensten benötigt werden und auch demokratisch am meisten legitimert sein dürften; ins Atelier.Ein gutes Beispiel ist die das Sommer-Kunst-Spektakel, indem Kunstprojekte in der Nähe von wichtigen Kunsthändlern, erst dann bewilligt werden, wenn die Kunsthändler dazu Stellung nehmen (es mitfinanzieren) oder kein eigenenes Projekt eingegeben haben. Faktisch liegt dadurch das Veto bei den Kunsthändlern. Zwischen den idealistischen Zielen der Mitte-links Parteien und ihrer Umsetzung in die Realität gibt es Diskrepanzen, das liegt nicht allein an der demokratischen Natur der Sache. Ohne die Unterstützung des Kapitals und der Oberschicht lassen sich keine grossen Steine bewegen. Kultur ist in Zürich offensichtlich nur eine Nebenbeschäftigung der Regierung, die man gerne delgiert. Für die Kunstschaffenden ist die Bereitschaft der Stadtregierung, künstlerischen Bereiche - die klassischen Disziplinen Malerei und Bildhauerei - zugunsten einer konsumistischen Kultur zu opfern, ein einziger Affront und eine historische Gedankenlosigkeit unerhörten Ausmasses. * Spätestens seit den 1990iger Jahren ist das Thema der quantitativen Überbelastung der Institutionen auf dem Tisch. Mit dem regelrechten Tsunami von hochpreisigen Produkten aus dem Kunstmarkt und -handel hat sich die Lage ins Aussischtslose verschlechtert. Hätte man damals eine Linie zwischen Marktkunst und unabhängiger Produktion gezogen - mit der Verordnung das öffentlich finanzierte Kunstnstitutionen nur die zweite Kategorie beachten soll - könnte man heute schüstieren (feiner einstellen), anstatt sinnlos strategisch im Detail zu kreisen.

Hier Zitate aus dem Leitbild und unser jeweiliger Kommentar dazu:



Das Credo Alles für Alle ist nicht aufrichtig. Dass weiss auch das zuständige Amt. Es ist nicht zu leisten, genauso wenig wie die Brüderlichkeit, die Gleichheit und Gerechtigkeit. Aber politisch wird das nicht zugegeben und deshalb kann ein Systemwechsel nie diskutiert oder können Möglichkeiten öffentlich nicht angedacht werden. Dass die Institutionen in der Realität gesellschaftliche Klassen trennen und die imaginären Mauern zementieren, wollen wir nicht wahrhaben. Nicht nur weil der Mythos so gut klingt, sondern auch deshalb, weil niemand ein wirkliches Interesse daran hat mit Andersdenkenden ins Gespräch zu kommen (Ausser natürlich der Künstler mit seinem potentiellen Käufer). In der aktuellen Kunst wird wie in der Politik viel mit Symbolen gearbeitet. Symbolpolitik ist verpönt. Symbolische Kunst eigentlich auch, aber sie hat es durch einen politisch-gesellschaftlichen Support durchs Hinterzimmer ins Museum geschafft. Das Helmhaus (nur ein Beispiel) entwürdigt nicht per se die Kunst - die Künstler sind ja stolz darauf dort ausstellen zu können - viel öfters liegen die Ausstellungen fern kuratorischer und künstlerischer Qualität. Nebenbei figurieren sie als Steigbügel für kunstfremde Einflüsterungen. Für den Betrachter, der ja Teil der Konsumgesellschaft ist, ist es die ideale Freizeitbeschäftigung: er schlendert stilbewusst durch die Hallen, kauft aber nichts und fühlt sich dadurch als Teil einer globalen Resistance.

Die Kultur, die hier verhandelt wird, ist eine Kaufhauskultur. Es ist nicht die Aufgabe eines Kulturamts, sich um die Sorgen von Konsumenten zu kümmern. Es wäre ambitionierter dafür zu sorgen, dass diese sich der Optionen bewusster sind.


  • Kulturelle Teilhabe ist wichtig: Sie ermöglicht den verschiedenen Bevölkerungsgruppen Zugang zu Kultur und Mitwirkung an der kulturellen Entwicklung.


  • Das ist jetzt auf einem realistischen Niveau der Tätigkeit angedacht. Das ist für einmal unabhängig davon gemeint, ob Expats oder Niedriglohnarbeiter das Angebot nutzen. Die nicht ganz uneigenützige Werbebotschaft des Amtes: die Kunstszene verlagere sich gerade in den Norden von Zürich, passt dazu. Es gibt eine Bewegung, die durch die Gentrifizierung im Zentrum und die genossenschaftlichen Wohnbauten im Norden ausgelöst worden ist. Sollte eine Statd darauf stolz sein? Die Multifunktionsräume der Baugenossenschaften (white culture people with bad conscience, T.C. Boyle) sind bereits subventioniert, durch das Geld von Privaten, die letztlich das Programm bestimmen und das Niveau basisdemokratisch/vereinsmässig festlegen. Der Support von der Stadt wäre eine soziale Massnahme zu nennen. Das sollte auch über das betreffende Budget vorgenommen werden. Auch wenn Herr Hirschhorn als künstlerisches Vorbild gelten sollte - was schon länger ein Missverständnis wäre - die Mittelstandskids der Baugenossenschaften kann man auch sonst erziehen, sie stellen keine unmittelbare Gefahr dar. Es geht hier also wieder um eine Klientelbewirtschaftung auf Kosten der Kunst.

  • Kulturinstitutionen müssen ihre Angebote vermehrt auf ein jüngeres Publikum ausrichten.

  • Aus demografischer Sicht mag der Ansatz richtig sein, die Konsequenzen sind aber nicht zu Ende gedacht. In der Umsetzung folgen nähmlich die Verantwortlichen der pädagogischen Idee von Helikopter-Eltern, die meinen, man müsse ihren Kinder möglichst entgegenkommen, sie auf ihrem Niveau abholen. Wenn man darüber nachdenkt,fällt einem erst den Song Kinder an die Macht Ohr und denkt gleich unmittelbar danach an kinderpsychologische Experimente zurück, die zu einem langen und schmerzhaften Tod der Kaninchen führten, weil die Testpersonen zu schwach waren, um ihre Opfer von den gröbsten Denkfehlern zu erlösen.

  • Diversität ist bei der Besetzung von Gremien (Aufsichtsorganen, Leitungsteams, Fachkommissionen) zentral.

  • 1. Dafür gibts im Theater ja schon aktuelle Beispiele: man schickt Laien in die Gremien, die dann mehr Ahnung von ihren Wünschen entwickeln sollen als dies Experten in ihrer Fachblindheit zu tun vermögen. Der Ansatz ist natürlich nicht überall falsch. Er eignet sich bei Problemen in den Quartieren, da es die Mitbestimmung und Akzeptanz der Bewohner direkt vor Ort erhöht. Auch die Diversität von Geschlecht und Farbe ist in der Politik und in dn Quartierorganisationen ein gutes Mittel - in der Sozialpolitik.

    2. Die fachliche Kompetenz in kulturellen Entscheidungsgremien zu reduzieren, ist aber eine Bankrotterklärung der Stadt und der Kommissionsmitglieder, die es aus Lethargie zulassen, dass ihre Arbeit so wenig geschätzt wird. Die mangelnde Streitkultur und fachlichen Engagement in den Kommissionen kann zusammen mit der Abhängig der Mitglieder von ihren Arbeitgebern der Kern des Problems darstellen. Mandatsträger sind wahlweise Lobbyisten von Institutionen, dem gesellschaftlichen Filz oder der politischen Verwaltung. Niemand schafft die Wahl in eine Kommission ohne die Unterstützung durch Interessengemeinschaften. Man sollte sich besser überlegen, die öffentlichen Mandatsträger, die sowieso kein wirkliches Interesse an der Kommissionsarbeit haben - also z. B. Kunstinstitutionsleiter -, aus den Kommissionen zu entfernen und sie damit von ihrer Belastung befreien.

    3. Die Verwaltung müsste umgebaut und Zuständigkeiten neu geregelt werden. Der ganze Bereich der angewandten Künste, die pädagogisch motivierte Unterhaltung, die Kreativitätswirtschaft und Berufe, die den öffentlichen Raum gestalten und an Raumplanungskonzepten arbeiten, haben alle eindeutige Zielvorgaben. Sie werden mit der Kunst und ihrer immanenten Risikobereitschaft zum Scheitern in naher Zukunft nichts mehr am Hut haben wollen. Geht die Ausweitung kultureller Felder in dem heutigen rasanten Blindflug weiter, ist die Verwaltungsreform sowieso unausweichlich. Der aktuelle Auftrag an das Amt wäre demnach jetzt zu verhindern, dass bis dahin der Flurschaden für die klassischen Kunstformen nicht zu gross wird, und nicht wie bisher ihn zu vermehren.


  • Als weitere Massnahme, um die Rahmenbedingungen für Künstlerinnen und Künstler zu verbessern, will die Stadt Zürich die von ihr subventionierten Institutionen für das Thema Honorierung sensibilisieren. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf dem Bereich Bildende Kunst. Ausstellungsorte sollen motiviert werden, Kunstschaffende, die sie in Wechselausstellungen präsentieren, angemessen zu honorieren.

  • Wieso nicht einfach verordnen? Institutionen, Subventions- oder Förderungsbezüger wären an diese Weisungen gebunden! Klingt wie die FDP bei Klimawandel. Und darüber, was eine Massnahme ist, sollte man vielleicht nochmals diskutieren.

  • Öffentliche Kulturförderung definiert im Auftrag der Gesellschaft, was förderungswürdige Kunst ist und wie diese gefördert werden soll. Bisherige Auswahl und Bewertungsmechanismen geraten angesichts rasanter technologischer und gesellschaftlicher Veränderungen jedoch unter Druck: Taugt der bisherige Kunstbegriff noch? Ist die bisherige Praxis der Selektion und Bewertung noch zeitgemäss? Hat die Förderung blinde Flecken? Die Kulturförderung der Stadt Zürich will sich diesen Fragen stellen. Dies soll in einem offenen Prozess erfolgen, der experimentellen und laborartigen Charakter hat. (Mehr dazu Teil II, Seite 105)



  • Irgendwie wiederspricht sich diese Grafik mit den oben genannten Absichten, es in Zukunft besser zu machen. Springen wir also weiter auf den betreffenden Stelle im Teil II, Seite 105 (siehe weiter unter)

  • Der grösste Teil der Fördermittel in der Bildenden Kunst sind Subventionen für Institutionen. Erst teilweise lassen sich die Folgen abschätzen, die der Erweiterungsbau des Kunsthauses für die Zürcher Kunstlandschaft haben wird. Als grösste von der Stadt Zürich subventionierte Institution für Bildende Kunst und als grösste Kunstinstitution in der Schweiz muss das Kunsthaus seine Strahlkraft weiter entwickeln und künftig eine noch wichtigere Rolle bei der Positionierung Zürichs im lokalen, nationalen und internationalen Kunst- und Kulturbetrieb einnehmen.

  • Brav auswendig gelernt! Obwohl man international nicht mithalten kann - die Stadt bezeichnet sich an anderer Stelle als zu klein -, will sie dann doch den Kampf gegen Goliath aufnehmen und ihre kulturellen Werte in die Welt hinausposaunen. Meint sie vielleicht die Sammlung Bührle, was für ein Geschenk für die Welt. Und ganz unten? Positionieren auf lokaler Ebene? Meint wohl in der Praxis eher das Abgrenzen jeglicher lokaler Einflüsse und das verhindern von lokaler Kultur durch das Auslöschen ihrer professionellen Strukturen. Und wie immer natürlich zugunsten eines klimafreundlichen Konsumismus. Vor nicht allzu langer Zeit, lernte man in den Gymnasien noch, dass diese Taktik bereits bei zahlreichen Ureinwohnern erfolgreich angewendet wurde und international wirklich verpöhnt ist. Da freuen wir uns doch auf die Diskussion, ab wann man einer einheimischen schützenswerten Ethnie zugehörig ist und wann es soweit ist, dass eine UNO-Resolution verfasst wird, die Zürich dazu zwingt Müssiggängern und Intelektuellen Reservate zuzuweisen.

  • Parallel dazu soll die Vergabe von freien Fördermitteln je nach Entwicklung der Kunstlandschaft unkompliziert angepasst werden können. Ein Leitgedanke der künftigen Förderung wird sein, dass Kunstschaffende möglichst wenig von Förderung abhängig werden. Die Förderung soll vielmehr punktuell zur Entwicklung einer Laufbahn beitragen.

  • Das klingt so, als hätte man irgendwann ein Budget und eine Förderpraxis gehabt, aus dem dieses Problem entstanden wäre. Vermutlich stammt dieser Passus aus längst t vergangenen Zeiten, als allmächtige Kultursekretäre sich in verrauchten Kneipen noch weinerliche oder agressive Reden anhören mussten, von sauffreudigen Künstlern, die aus purer Nächstenliebe, einen Obolus einforderten.

    Teil II, Seite 105

  • Eine Kerngruppe bestehend aus Künstlerinnen und Künstlern, die neue Formen der Kunst machen, die bisher nicht oder nur teilweise unter den Förderbegriff der Stadt Zürich fielen, reflektiert mit Aussenstehenden und Mitgliedern der städtischen Kulturförderung neue Phänomene in der Kunst und ihre Auswirkung auf die Kunstförderung.
    Die ZHdK, Departement Kulturanalysen und Vermittlung, war an der Ausarbeitung der Fragestellung massgeblich beteiligt und hat bereits Interesse an diesem Forschungsfeld signalisiert.

  • Selbstkritisch muss man Anmerken, wir haben kein Plan, um wleche mysteriösen Kunstformen es sich dabei handelt. Die Vermutung liegt aber nahe, dass es sich um Produktionen handelt deren Haltbarkeit begrenzt ist und deren stoffliche Präsenz im Wellenbereich liegt. Wir werden sehen. Sicher kann aber gesagt werden, dass es nicht die Aufgabe der Förderstelle ist zusammen mit den Studenten einer Hochschule eine Definition oder die Förderkriterien zu erarbeiten, die spezifisch auf diese Gruppe ausgerichtet ist, also ein Angebot schafft auf das es noch gar keine Nachfrage gibt. Klientelbewirtschaftung nennt man das in der Realität und zeigt hier in aller Deutlichkeit, wie sich die die Bürokratisierung ihren Zwang zur Innovation lieber selber kontrolliert durchführt, als in der freien Wildbahn zu suchen oder dort dafür die nötigen Bedingungen zu schaffen.

  • Ausblick
    Mit den Massnahmen wird das Risiko, dass Kunst- und Kulturschaffende Sozialhilfe oder Ergänzungsleistungen in Anspruch nehmen müssen, vermindert und die Eigenverantwortung und die Autonomie der Kunst- und Kulturschaffenden werden gestärkt. Damit wird ein altes und berechtigtes Kernanliegen der Kulturschaffenden und der Politik erfüllt. Die zusätzlichen gebundenen Vorsorgebeiträge bei Unterstützungsbeiträgen und die verbindlichen Vorsorgeregelungen bei den unterstützten Kulturinstitutionen gehen zu Lasten der Kulturförderungsbudgets. Da die Beiträge für die Kulturförderung insgesamt nicht erhöht wurden, stehen entsprechend weniger Mittel für die direkte Unterstützung von Kulturschaffenden und Kulturprojekten zur Verfügung. Wenn es aber gelingt, Kulturschaffende für das Thema zu sensibilisieren und sie damit vor der Fürsorgeabhängigkeit im Alter zu bewahren, zahlt sich die Investition langfristig aus.

  • Für dieses Problem müssen die meisten Kunstschaffenden nicht sensibilisiert werden. Im Gegenteil, dass Risiko der Verarmung im Alter ist nur zu gut bekannt. Nur die wenigen können darauf reagieren. Der wirtschaftliche Erfolg ist oft nicht planbar, sich einen gut bezahlten Nebejob zu ergattern führt dann mittelfristig zum Abruch der eigentlichen künstlerischen Tätigkeit, selbst dann, wenn diese Tätigkeit eine Dozentenstelle an einer Hochschule beinhaltet. Der Grund dafür ist der fehlende Fokus und die steigenden Lebenskosten, die durch solche Anstellungen miteinhergehen. Das Votum der Stadt zielt also auf wirtschaftlich erfolgreiche Künstler ab, solche mit saisonalen Engagements, auf die neidisch geblickt wird. Dass diese sozialethische Massnahme - Zitat: ... die Eigenverantwortung und die Autonomie der Kunst- und Kulturschaffenden werden gestärkt - dort nicht besonders gut ankommt, ist absehbar.