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Was will die Neue Kunsthalle Zürich/Amrain?

Die NKZ/A ist ein Projekt zur Evaluierung neuer Denkansätze bei der Kunstförderung auf Gemeinde wie Kantonsebene. Dieser Diskurs ist tabuisiert und gilt technisch wie inhaltlich als unlösbar. Wir sind da anderer Meinung.

An welchen Rädern kann man drehen, wo liegen die Probleme?

Kunst wird von den unterschiedlichsten Interessengruppen kommerzialisiert und politisch wie idealistisch instrumentalisiert. Es ist für die Künstler zu einer Herausforderung geworden den ursächlichen Gedanken zu bewahren, der aus einer traditionellen und professionellen Passion stammt. Im Zentrum dieser Passion steht das Erbe, die Gegenwart und die Zukunft des Menschen und der Menschheit, deren Fähigkeiten und Habitus. Die Gesellschaft verändert das Standartmodell Mensch aus staatspolitischem Kalkül wie gesellschaftspolitischer Ignoranz. Sie nutzt das Feld der Kunst, um aufkommende antagonistische Tendenzen des ökonomisierten Alltags zu mildern. Zwischen die divergierenden kulturellen Interessengruppen wird ein Keil getrieben, auf Kosten der ernsthaften Kultur, die Wert legt auf Schlüssigkeit, Qualität und Autonomie. Sie steht für eine humanistisch-freiheitliche Tradition der Entwicklung des freien Denkens und sie hat – nicht überraschend – einen schweren Stand in den Meinungsbildungsinstrumenten. Auf bürokratischer Ebene geht die Kunst- und Kulturförderung von überholten bildungspolitischen Mustern aus. Sie trägt zur Festigung antiliberaler Aspekte der Kulturlandschaft bourgeoiser Prägung bei. Mit diesem Klientelismus wird jeglicher Diskurs über Erneuerungen verhindert. Verwaltung und Bewahrung binden einen grossen Teil der Kulturbudgets und mindern damit die Möglichkeit zur Aktualisierung der Verbindung zwischen zeitgenössischer Kunst und den sich veränderten Gesellschaftsstrukturen, resp. neuer Gesellschaftsschichten und ihren spezifisch kulturellen Ansprüchen. Die gesellschaftliche Funktion der Kunst wird unterwandert, indem die Verwaltung in absurder Weise das Prädikat Zeitgenössisch zu reglementieren versucht. Sie grenzt unnötig ein und überlässt die Selektion jenen Kreisen, die durch ihre bevorzugte Stellung eine Deutungshoheit besitzen, die es gar nicht geben kann. Im Zürcherischen Fall sind z. B. die Abgrenzungen zwischen den unterschiedlichen Institutionen der Kunst und ihrer Semiprofessionellen Mitkontrahenten mit unterschiedlicher politischen und sozialen Couleur so gross ausgestaltet, dass keine Reibungsflächen oder Platzhalterkämpfe entstehen können. Die Politik wiederum folgt unkritisch den Interessen der Wirtschaft, der Akademien und der Bildungsinstitute. Sie instrumentalisiert die Kunst gerne als touristisches Angebot oder Standortvorteil, anstatt Kunst als abgegrenztes eigenständiges Feld zu betrachten. Im Prinzip sollte Kunst dieselbe Unabhängigkeit wie die Justiz und das Gericht erhalten. Als Beispiel hierfür wird im sommerlichen Skulpturenspektakel im Ausschreibungsverfahren dazu aufgerufen, sich den örtlichen Bedingungen anzupassen. Das heisst im Fall des Paradeplatz, dass eine Zusammenarbeit mit einer der dort angesiedelten Galerien – die gerade als Steuerschlupflöcher im grossen Stil in Verruch geraten sind – Voraussetzung ist. Die Schieflage der Rechtfertigung – es gehe hier um Ästhetik und nicht um Politik, sagt alles über die Qualität der Auseinandersetzung auf präsidialer Stufe.

Gibt es eine Zielvorgabe in dem Projekt?

Ja, ein Modell ...

- wo grundlegende Probleme zwischen dem Bewahren und Erhalten und der gleichzeitigen Förderung der vielen Sparten enstehen und wie man sie löst.

- welche Veränderungen die verschiedenen Interessengruppen durchlaufen haben, wo sie heute stehen und welche demokratische Legitimation hinter ihren Forderungen stehen.

- wie inhaltlich argumentiert werden kann, um die politische Instrumentalisierung und den Abfluss der Kulturgelder in die Kreativitätswirtschaft und den Kunstmarkts zu stoppen.

- wie der Bereich Kunst als Testgelände für staats- , sozial- und kulturpolitische Entwicklungen dient.

- wie die Kunst von dieser neuen Praxis profitiert.

- wie der Staat und die Gesellschaft davon profitieren.

Das Projekt NKZ/A läuft bis Ende 2019.

Kontakt: info@neuekunsthalle.ch