Die Daten, die dieses Forum beinhaltet, werden laufend ergänzt. Dieses Teilprojekt soll bis Ende 2019 abgeschlossen sein.

Ergänzungsvorschläge: info@neuekunsthalle.ch



Rubriken




Kapitel 1.



a.1. Ausgangslage






Daniel Wadsworth 1771–1848


Geschichte

Irgendwann einmal ging ein Bürger names Wadsworth ... zur Zürcher Stadtpräsidentin Corine Mauch.
Ihm fällt auf, wie clever&smart die Stadt vorgeht. Neben der sauberen Kreativitätsindustrie nun auch dem "revolutionären" vormals "sauberen" Nachwuchs ein Nest zu bauen – der im Westen stehende Bau der ZHDK. Dabei ist ihm aber auch aufgefallen, dass die Förderung dieses globalen Industriezweigs oft mit der Förderung der Kultur verwechselt werde, obwohl der Konflikt explizit im Leitbild (2012–19) herausgehoben wird. Der Begriff ist vereinnahmt von modernen Managementideen und dem Kapital und gehört eigentlich ins Wirtschaftsdepardement, steht dort.

Mauch: Richtig.

Wadsworth: Dem Kapital will man seine Akkumulationsbedingungen verbessern und lenkt dadurch Gelder um, die der Kultur zuständen. Gemäss dem Wirtschaftspapier Ihrer Partei ist klar, dass man gegen das Kapital nicht gewinnen kann.

Mauch: Falsch.

Wadsworth: Wenn von Seiten der kulturellen Kreativitätsförderung das Ziel verfehlt wird, so entsteht doch daraus ein Mangel, irgendwo, und dort, wo schon Mangel war, wird dieser noch grösser, isn`t?

Mauch: Maybe, but ...

Wadsworth: Durch die Kreativitätsindustrie steigen lokal die Lebens- und Arbeitsraumkosten wie man es in Berlin, New York, Paris, London und Wien seit Jahrzehnten beobachten kann. Dadurch verlieren die Künstler ihre innerstädtischen Treffpunkte und so auch die Dynamik, die sie benötigen würden um als kulturelle Hotspots dem globalen Kunstmarkt und dem Kapital die Stirn zu bieten. Was wollen Sie also tun?



Mauch: Wir tun unser Bestes. Wir haben die Vergabe für Atelierräume professionalisiert – immerhin an die 190 Ateliers hat die Stadt. Mit dem Herderareal können wir nun auch noch Zwischennutzungen anbieten, fast 1000m2.

Wadsworth: Frau Mauch, temporär ist nicht immer gut für die Kunst – immer hin und her verträgt nicht jedes Handwerk, vor allem die klassischen, und wo bleibt die Muse, die Langeweile?

Mauch: In Berlin nutzen die Künstler subventionierte Elektrovelos, um die Distanzen zwischen Wohn-, Arbeitsort und Atelier zu überbrücken. Das ist innovativ und deckt sich auch mit unseren Ideen im Wirtschaftsbereich. Es kostet die Stadt nichts! Solche Synergien müssen die Künstler suchen.

Wadsworth: Und das Herderareal, also das Gebäude der Migros, dient als Lager für die Theaterleute und andere Räume sind also auch der Kreativindustrie der ZHDK zur Verfügung gestellt worden. Ein paar Räume auch den Artists in Residence. Alle zusammen betreut von Professoren, ohne vorausgehende Qualitätsprüfung – ein nettes Plauderstündchen mit dem Herrn Doktor. Also bitte, Frau Stadtpräsidentin. Professionelle und zielorientierte Förderung sieht doch etwas anders aus?

Mauch: In den neuen Genossenschaftsüberbauungen bieten wir auch Ateliers an. Das finde ich spannend, direkt bei den Leuten zu sein muss für Künstler und Künstlerinnen doch sehr spannend sein.

Wadsworth: Mit diesen Bastelräumen reduzieren Sie doch nicht den existenziellen Druck der lokalen Künstler. Es sieht eher nach zufälligen Gelegenheiten aus, die man für sich politisch günstig dastehen lässt. Das ist legitim. Aber die Frage bleibt: Wann ändert sich etwas?

Mauch: Aber Sie können doch nicht die Einen gegen das Andere ausspielen!? Das ist unschicklich.

Wadsworth: Die Erweiterung des Kunsthauses ist eine Fördermassnahme für die Bildenden Künstler?

Mauch: Also Sie sind mir ein Zyniker.

Wadsworth: Sie erhöhen die Beiträge für die freien Ausstellungsräume. Sie wollen damit vor allem die hippen Off-Spaces unterstützen. Was erhoffen Sie sich davon?

Mauch: Es ist wichtig, dass die Künstler sich selber organisieren und – wenn auch im kleinen Rahmen ­– Ausstellungsmöglichkeiten erhalten, um ihre Werke zeigen zu können. In den grossen Häusern ist dafür einfach kein Platz, und damit meine ich auch das Helmhaus, wo sich nur die geschmeidige, städtische Kunstelite treffen soll, die eine maximal professionelle Kulturausbildung genossen hat, oder dann und wann halt auch die Familie etwas hilft. Egal, unschön, aber es ist auch eine Tradition und trägt die Geschichte einer Stadt nach aussen, die erst durch diese Persönlichkeiten Grosses erreichen kann.

Wadsworth: Aber Frau Mauch, etwas mehr Contenance wäre schon nötig. Ihre Äusserungen treffen viele ältere Künstler ins Mark. Diese glauben noch an Good Gouvernance, an die Transparenz und an ihre reale Chance, und überhaupt werden sie Ihnen sagen, die Themen, über die alle quasseln in den Hallen, wie Tod, Vertreibung, Opfer etc., kennen wir nicht nur von Youtube-Videos. Unsere Eltern oder Grosseltern haben es uns etwas mitgegeben, was man wirklich gelebte Geschichte nennen darf.

Mauch: Uh! Alt! Tut mir leid, Daniel, ich muss jetzt zurück in den Saal. Nehmen Sie es sportlich. Als man das Rad erfunden hatte, trug man die Lasten auch nicht mehr auf dem Rücken.

Wadsworth: Noch eine letzte Bemerkung Frau Mauch, oder besser liebe Corine – versöhnlich –, welchen Rat gibst du den Künstlern auf den Weg geben? Die nicht mehr so jung und smart sind und nicht gerade akademisch ausgebildet werden. Weder gut bezahlte Nebenjobs noch Lehrtätigkeiten haben, um sich erstmal ein praktikables Atelier leisten zu können. Weder beziehen sie das Vorerbe des Grossvaters noch können sie ihre Eltern erpressen. Was rätst du ihnen, wenn hier in der Kulturstadt Zürich ihre einzige Option ist, sich mit den über Jahrzehnten und mit Sorgfalt entwickelten Arbeiten in Quartierzentren mit Kindern zu messen? Wenn ihnen der Zugang aus den diskriminierenden Gründen – die ich vorher aufgezählt habe – verwehrt wird? Wenn sie ihre klassischen Arbeiten nicht regelmässig auf einem ansprechenden Niveau zeigen können, um in relevante Konkurrenz zu kommen, die ihre Entwicklung schärft?



Mauch: Die Stadt Zürich sieht sich als grösste Schweizer Stadt in einer besonderen kulturpolitischen Verantwortung. Kulturförderung ist für den Stadtrat eine zentrale öffentliche Aufgabe. Sie garantiert Vielfalt, hohe Qualität, aber auch die Möglichkeit des Experiments, des Scheiterns und des Neuanfangs.