Was will die Neue Kunsthalle Zürich/Amrain?

Die NKZ/A ist ein Projekt für neue Denkansätze in der Kunstförderung.
Kunsthallen hätten den Auftrag experimentelles und aktuelles Kunstschaffen zu fördern - in substantieller Weise und unabhängig von politischen oder gesellschaftlichen Ansprüchen. Ebenso Unabhängig von Moral und all den anderen weltlichen Werten, mit denen wir uns sozial und kulturell treiben lassen. Aber besonders wichtig ist - die Gründung der Kunsthallen waren hauptsächlich auch darauf ausgerichtet -, dass sie hauptsächlich unabhängig vom Kunstmarkt und vom Geschmack des lokalen Bildungsbürgertums und der Politik operieren.
Kunsthallen sollten die Kunst davor beschützen instrumentalisiert zu werden, wie dies anfangs durch die Religion und später durch die Politik. Heute ist das vor der Vereinahmung von Gender- und political-correctnees, vor der Akademisierung und der Wissenschaft und vor der Kreativwirtschaft. Sie haben alle ganz andere Ziele und nutzen das Feld der Kunst nur, weil sie in der Gesellschaft ihre Ideen nicht durchbringen können. Sie sind die schlechten Verlierer, die im Paradies wildern, ohne Rücksicht auf die Insulaner, deren Freiheit sie zerstören. die sich substanziell gegen die Freiheit der Kunst richten.

Es gibt keine Probleme!

Es ist für Künstler zu seiner eigentlichen Herausforderung geworden den ursächlichen Gedanken bei der Produktion1 zu bewahren, der aus einer traditionellen und professionellen Passion stammt.

Im Zentrum dieser Passion steht das Erbe, die Gegenwart und die Zukunft des einzelnen Menschen und dessen Fähigkeit und spezifische Konstitution im Rahmen seiner kulturellen Entwicklung. Gegenwärtig befinden wir uns in postnatürlichen Verhältnis. Die Möglichkeit zur Entwicklung einer sich selbst förderlichen ethischen Haltung, zugunsten des Individuums - des Einzelnen - und darüber hinaus, sich eine individuelle Kompetenzen anzueigen um in einer Gruppe zu leben. Es ist narzistisch Kunst (sich austoben) zu machen, wie es auch gleichzeitig die Welt rettet (fittest from the group).

Beispielhaft hört man in vielen Kommentaren in Druckerzeugnissen, auf Podiumsgesprächen und digitalen Foren zur Lage der Kunst ein obernerviges Muster:
Alle reden von den Künstlern und Künstlerinnen, die heute scheinbar das oder jenes tun, was dann als eine Tendenz in der Kunst gilt. Schreibt also ein Kolumnist über einen Abend in NY, wo ein Künstler Popcorn aus dem 12. Stock zum Fenster rauswirft und in Thun bei Helen Schneider-Schubiger gerade ein Foodwaste-Ausstellung läuft, indem neben einer rot'schen Tomate Hochschulabsolventen ihre hausbackenen Vorfreuden ausstellen und dazu noch in einem thailändisch-kongolesischen UNESCO-Projekt in Dubai (die extrem komplexen Vorarbeiten wurden in Piz Maria ausgeführt), wo ein halb maskierter König von dem Übel der Menscheit spricht, das mit dieser Ressourcenverschwendung über die Menscheit kommen wird - hinter ihm eine Anhäufung von Steinen, die die Künstler in Verbundenheit mit den gebeutelten Gastarbeitern eigenhändigaus der Wüste geholt haben um daraus eine Art reduzierter Pizzaofen für Steinzeitmenschen zu bauen. Beim anschliessenden Buffet und vor allem später in der Hiltonbar, nur da gibt es für Ausländer Alkohol, wird geinstagrammt und diese drei Events treffen algorythmisch gesteuert im Social-Media-Account einer WG in Berlin ein, die an diesem Abend gerade einen Herrn Obrist zu Gast. Um die Hotelkosten zu schnorren, hatte der sich selber eingeladen und dafür als Dankeschön die Gastgeber an seinem Instagramm teilhaben lassen (zu diesem Zweck hat er immer einen kleinen Beamer dabei). In Wirklichkeit schreibt er aber gerade seine tagimagi-Kolumme, die zwar kein Branding auslösen wird, aber ein paar Nasen ihre alltägliche Arbeit in der Provinz ungemein erleichtert.

Kulturpolitiker und -funktionäre betrachten auf regionaler wie kantonaler Ebene die Kunst als Werkzeug um antagonistische Tendenzen zu unterlaufen. Auf Druck z. B. von Erziehungsdirektoren werden Kulturgelder verschoben, um politisch nicht durchsetzbare Dringlichkeiten an den Schulen abzufedern. Anstatt den Stier bei den Federn zu packen, wird opportunistisch - man will ja nicht der Böse sein - umgelagert.

Die Kunst wird als Reservat für akademische bürgerliche Berufskarrieren missbraucht.Künstlerische Berufe werden professionalisiert. In Wirklichkeit werden sie nur an ein neu-feudalistisches Prinzip angepasst, dessen Zweck es ist, den bevorzugten Schichten einen gut bezahlten Anstellung zu gewähren. Für Zweckentfremdung von Kunst steht die ZHDK, aber auch die Universitäten, die ihre Datengrundlage zur Kunst nur nach den Gewinnern ausrichtet und nicht nach der Sache. Sie sind auch die einzigen, die dies freiwillig und ohne ökonomischen Druck machen.

Die Kunst steht für eine Entwicklung des freien Denkens und sie hat heute einen schweren Stand in den Meinungsbildungsinstrumenten wie den Neuen Medien, SRG und der ausgedünnten Presse. Die den aktuellen Identitätsdebatten und mangelnde Solidarität - aber vorab die Politik zeigt enorme kognitive und kausale Schwächen, die die Unsicherheit noch fördert, mit der wir bei uns selbst und unseren Vorfahren und Nachkommen ja schon konfrontiert werden.

Auf konzeptueller Ebene geht die Kunstförderung von überholten bildungspolitischen Mustern einer Bürgerlichen Zeit aus.

Die Verwaltung und Bewahrung der Kunst binden einen grossen Teil der Kulturbudgets. Die Kulturbeauftragten können mit den Budgets ihre Leitidee eigentlich nicht mehr umsetzen, die Nachfrage wird immer grösser, das Tätigkeitsgebiete ausgedehnt oder verlagert. Wieso stellen wir das Problem nicht politisch zur Diskussion?



Die Kunst sollte eine gesellschaftliche Unabhängigkeit haben, wie sie der Justiz und dem Gericht einberaumt werden

. Negatives Beispiel: das sommerliche Skulpturenspektakel. Im Ausschreibungsverfahren dazu wird angemahnt, sich den örtlichen Bedingungen anzupassen. Im Fall des Paradeplatz heisst das, dass eine Zusammenarbeit (... und Finanzierung) mit einer der dort angesiedelten Galerien – die gerade als Steuerschlupflöcher im grossen Stil in Verruch geraten sind – eine Voraussetzung ist. Dabei wäre gerade dort eine künstlerische Intervention nötig, die einmal im Jahr eine andere Realität auf(er)scheinen lassen würde.

Gibt es eine Zielvorgabe in dem Projekt?



- Wo Probleme zwischen dem Bewahren und Erhalten und der gleichzeitigen Förderung der vielen Sparten enstehen und wie man sie lösen könnte.

- Welche Veränderungen beteiligte Interessengruppen durchlaufen haben, wo sie heute stehen und welche demokratische Legitimation hinter ihren Forderungen stehen.

- Wie inhaltlich argumentiert werden muss, um die politische Instrumentalisierung und den Abfluss der Kulturgelder in die Kreativitätswirtschaft und den Kunstmarkts zu stoppen.

- Wieso der Bereich Kunst als Kindergarten für staats- , sozial- und kulturpolitische Entwicklungen dient.

- Wieso sollte die Kunst von der aktuellen Praxis profitieren?

- Wie dumm der Staat und die Gesellschaft sind.

Das Projekt NKZ/A läuft bis Ende 2019.

Kontakt: info@neuekunsthalle.ch




1. Der leicht verschmähte Ausdruck Produktion, ergänzt die Diskussion um den realistischen Anteil des Ateliers, also der Schmiedestube, die im akademischen Disskussionsrunden oft verloren geht, da ihre Gedanken meistens um ein Abstraktes kreisen. Das Kunstwerk also sich - natürlich nur im abstrakten Diskurs - von einer qualitativen physischen Präsenz mehrheitlich verabschiedet hat. Mehr als vermutlich besteht ein Zusammenhang zwischen diesem Verlangen nach Konzeptkunst (ab 2000) und den neosymbolischen Vokabular (ab 2010) der global operierenden Kunststudentenschaft. Beide werden durch ein harmonisches Gruppenstreben dazu gezwungen. Der 1. Artikel des Heiligen Psalm der Kunststudentenschaft lautet, dass alle Kunst machen können, unabhängig davon, ob sie dazu die Fähigkeiten haben oder nicht - rein der Wille zählt. Warum findet in dieser Generation keine Diskussion darüber statt, dass ihre Akademie sich selbst zu den "Bösen" stellt, die einen grossen Anteil an der Vernichtung des Potential von Kunst hat, da sie sich mit dem Etikett Kreativwirtschaft eindeutig auf die Seite der Wirtschaft und des Kapitals stellt; die Antwort lautet: Man verdrängt es, wie man auch alle anderen inhaltliche Konflikte einfach aus dem Weg räumt, indem man sie ignoriert. Hoffen wir, dass Freud wirklich Unrecht hatte und dass das Verdrängte drin bleibt.