NEUE KUNSTHALLE ZÜRICH

... ist ein vielfältig gestaltetes Projekt ... damit die Kunstformen ihre kritische Funktion in der Gesellschaft beibehalten - »eine Intelligenz sich selbst entdecken zu lassen« (Rancière 2009)




Kater Murr im Haifischbecken* (wichtiger Hinweis ↓)


Die Gesellschaften verändern sich auf dem ganzen Globus; nehmen Distanz zu einer alten Ordnung. Eine Veränderung, die durch die Digitalisierung ein Tempo anschlägt, dass Sicherheitslücken im System Mensch produziert. Individuum und Identität sind bei uns im protektionistisch geprägten Kapitalismus der verblassenden Nationalstaaten zentrale Aspekte des Liberalismuses und des Gemeinwohls, während bspw. in Cina eine totalitäre Planwirtschaft mit opportunistischen Hang zur Marktwirtschaft favorisiert wird, in der das Kollektiv per Staatsdekret einen höheren Schutz geniesst. Aktuell sind auf dem ganzen Planeten gerade kollektive Entscheide gefordert, die unsere Welt und die Natur darin und darum herum zu retten vermögen, unabhängig - und zu unserem Ärger, Beklemmung und Hilflosigkeit - von der staatspolitischen oder wirtschaftlichen Ausrichtung der einzelnen Länder. Gleichzeitig wird im Kleinen heftig über die Formen und Rechte der Freiheit des Einzelnen gestritten und die Durchsetzungs­methoden, die die Parteien anwenden, sind angesichts der Möglichkeiten lächerlich zu nennen. Es findet gerade ein Lernprozess statt, der zu mehr Verbindlichkeit, Rücksicht und Weitsicht führen wird oder nach dem Liberté, Égalité, Fraternité, mehr als ein billiges Lippenbekenntnis sein müsste.

Zwei Baustellen liegen brach:

1. Liberalismus nach Rawls: Jede Person hat den gleichen unabdingbaren Anspruch auf ein völlig adäquates System gleicher Grundfreiheiten, das mit demselben System von Freiheiten für alle vereinbar ist. b) Soziale und ökonomische Ungleichheiten müssen zwei Bedingungen erfüllen: erstens müssen sie mit Ämtern und Positionen verbunden sein, die unter Bedingungen fairer Chancengleichheit allen offenstehen; und zweitens müssen sie den am wenigsten begünstigten Angehörigen der Gesellschaft den größten Vorteil bringen (Differenzprinzip).“

Quelle: John Rawls: Justice as Fairness: A Restatement (2001), §13[14], Wikipedia, siehe auch: www.youtube.com/Michael Reder



2. Die Klärung der Beziehung von Mensch zu seiner biologischen In- und Umwelt.


Die Narration der Weltinnenpolitik (Habermas) ist eigentlich die zentrale Hemisphäre menschlicher Entwicklung (Sloterdijk), der aus Kinder erwachsene Männer und Frauen macht. Seit dem Auftritt des homo sapiens auf der Weltbühne oder nach Kant mit der "Offenbarung einer Intelligenz, die sich verkannte oder vernachlässigte" (ebd), gibt es nur ein kurzes Innehalten, kein Stillstand oder gar eine Umkehr in einen vorlibertäre Zeit, wie z.B. man anhand des neuen zürcherischen Kulturleitbilds meinen könnte.

Etwa seid 30 Jahren ist das Vokabular der Künstler von der Eliten des Finanzwesens okkupiert und damit vermeintlich um ihren Sinn gebracht worden, kontaminiert mit den Gegensatz - dem streben nach Gewinn und Glück, dem glückhaften (gewinnbringenden) Unternehmen (Projekt)! Es gibt tatsächlich erstaunlich viele Paralellen zur Kunst. Und es war eigentlich klar, dass die Finanzwelt diese nahe Verwandschaft nicht zu ihren Gunsten nutzen würde. Auch die Künstler und Kunstvermittler haben angebissen, und erklärten sich bereit, dass der Mut zum Risiko in der Kunst wie im Kapitalgeschäft einen gemeinsamen Nenner haben, den nur die Besten unter ihnen anzuwenden verstehen. Das Risiko tragen bei beiden die Steuerzahler. Auch im Sozial- wie im Erziehungswesen wird gerne das Vokabular für eigene Zwecke instrumentalisiert. Um bspw. soziale und pädagogische Projekte der bürgerlichen Mehrheit schmackhaft zu machen. Zu guter Letzt ist auch der Wähler dran interessiert. Was schief geht in den politischen und gesellschaftlichen Prozessen, was unrealisierbar wird durch das Ringen der gleichstarken Kräfte, wird u. a. der Kunst auf den Rücken geschnürrt.
Alexander Solzhenitsyn käme heute ins Grübeln, wenn eine Gesellschaft, die als Frei gilt, ihre höchsten Ideale an ihre niedrigsten bindet.
Die Kunst wird instrumentalisiert, domestiziert und ausgehungert durch das bürgerliche Establishment oder Funk und Fernsehen. Schweizer Radio 2 sendet am 17.06.2019 folgende Meldung aus: Die Messen des globalen Kunsthandels verfolgen hauptsächlich nur monätere Interessen, die gezeigte Kunst ist deshalb kein Spiegel der tatsächlichen relevanten Kunstproduktion, sondern mehr eine Karikatur derselben, wird eine Kunsthistorikerin zitiert. Trotzdem gehen die Direktoren als VIP an diese Messen und gönnen sich in dem halbkriminellen Millieu etwas Spass. Bundesanwälte werden für solche Zielunschärfen und Verfahrensfehler zu Recht entmachtet.

Brauchen wir also eine Debatte über den seriösen Umgang mit der Kunst? Ja. Wir müssen reden. Wer hat das Recht hat die Kultur zu steuern, wie der Staat die Kultur fördern und nicht zweckentfremdet.




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