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Projekt 2018-2019 ZH/Amrain

Geschichte 2002-2017
Die NEUE KUNSTHALLE

... ist ein vielfältig gestaltetes Projekt ... damit die Kunstformen ihre kritische Funktion in der Gesellschaft beibehalten - »eine Intelligenz sich selbst entdecken zu lassen« (Rancière 2009)




Kater Murr im Haifischbecken
Gedicht um ein Gerücht


Die Gesellschaft wandelt sich - wieder mal, sagt der Kater Murr. Bewährte Eigenarten - wie das Individuum und die Identität - werden in Frage gestellt, verkauft oder auf die weite Halde geworfen. Dabei - so nebenbei - verliert die schöne Kunst ihren Gesellschaftssinn und ein zentraler Bausatz menschlicher Entwicklung entschwindet unter Tage - seit dem Auftritt von Lucy, oder nachher Kant und nachihmspäter der "Offenbarung einer Intelligenz, die sich verkannte oder vernachlässigte" (ebd). Und wie dieser Satz, hängt das Menschlein im löchrigen Netz.

Und doch, es nahen der Helden nicht wenig: um dem negativen Trend zu stoppen, beginnen vor fast über 35 Jahren Kulturbeamte die künstlerische Tätigkeit wieder als die feine ehrerbietende Freizeitaktivtät anzupreisen und als die austarierte Massnahme im Sozialen zu verkaufen, die auch der Sprache nicht mächtigen Gäste das gewisse Flair vermitteln kann.
Wirtschaftsberater, kreative und akademische Zirkel begannen das religiöse oder sprachlose Potentzial der Kunst und ihr Vokabular zu nutzen, da ihr angestammtes Gebrümselbst, dem Wert ihrer Arbeit nicht mehr hinterherkam. Ihre Trägheit soll glaubwürdiger, redlicher, gestelzter, lieblicher und herzallerliebster wirken.
Allen gemeinsam war der unbändige Wille, all das, was ihnen an gesellschaftlicher Überzeugungskraft fehlte, der Kunst auf den Rücken zu schnurren - ü: eigne Fehler und Mangel und dasdenanderndumme. Und die Schlauen dachten: was politisch ich nicht sagen kann, verpacke ich zu Kunst, das ist ja keine Kunst!. Aleksandr Solzhenitsyn käme heute längst nicht mehr ins Grübeln, wenn eine Gesellschaft, die als Frei gilt, solche Dinge ergreift. Die Kunst instrumentalisiert und gekettet, wie schon seit Jahr und Tag durch Kunstmarkt/handel und das bürgerliche Establishment, murrt Murr.



Das Verhältnis zwischen der Gesellschaft und dem künstlerischen Schaffen sollte sich entspannen, meinte Kater Murr anno 1820. Erkenne die Faulheit als altdeutsche Muse nicht als das Privileg des höheren Standes an. Stelle sie als Arbeiter mit Freuden zur Schau, ergänzt Carfield unüberzeugend.


Es ist von Nöten, der Kunst - gerade wegen ihrer abseitigen Lage - ihre Freiheit zu lassen, damit sie in Zukunft, wenn die Demokratien erwachsen geworden sind, überhaupt noch existiert.
ZH/Amrain ist ein konkretes Unterprojekt, auf den Spuren von Massnahmen, um die Förderinstrumente der Öffentlichen Hand transparenter und Kulturleitbildkohärenter zu gestalten.