News-Room



November 2017



Ein Hauch von Frische soll um deinen Busen schweben,
Dass stärkende Gedanken immer ihn beleben;
Dein christlich Blut, es fliesse hin in steten Wellen,

Wie Laute, die aus alten Sprachen zahllos quellen,
Daraus der Gott er Lieder, Phoebus, noch zu hören,
Und die den grossen Plan, der Ernte Herr, beschwören.


Buchpremiere von Jürg Halter im Literaturhaus Zürich

Mondkreisläufer heisst das Buch und ähnlich verwirrt und desorientiert, wie man sich das Männlein auf dem Mond vorstellt, sich um die eigenen Achsen drehend, bleibt man nach dieser Lesung zurück. Eben! Eine Lesung sollte es werden, eine Buchvorstellung ist angekündigt und es sollte von Literatur und von ein paar halbprivaten Anekdoten und anderem Angereicherten eines Berufenen handeln. Einen kleinen Einblick in die Dringlichkeit und die Hürden eines Schaffenden, eine vage Andeutung des benutzten Handwerks. Der ausgezeichnete WOZ-Journalist Daniel Ryser begann mit einem guten Witz über überschätzte Grammatik, der als Anfang vielversprechend klang. Der Reigen, der sich in der Folge für das Publikum auftat, war eine Mischung zwischen Klamauk und schnoddrigen Kommentaren eines sich aus dem gutbürgerlichen Milieu möglichst herauszuwindenden Autors – bei WOZ-Journalisten gehört das ja zum guten Ton – der in den vorgetragenen Texten Phrasen und Allgemeinplätze summiert und ein bisschen den wilden Mann markiert. Nur ganz selten werden die benutzten Zitate mittels Worten und Sätzen so umrahmt, dass sich die Bedeutung verändert, sie zugespitzt oder gar hinter der Poesie verschwinden lassen würden. Wenn der Musiker die Qualität von Texten nicht immer prioritär behandelt, stört dies nicht. Bei Halter wäre demnach die Performance in den Vordergrund zu stellen, die ihm durchaus liegt, wie er ein paarmal zeigt, als er sich scheinbar ad hoc ans Publikum wendet. Gruppendynamik und Geselligkeit sind für die heutigen Kids, die alle aus feinfühligen Krappelgruppen stammen, wohl der Rahmen, wo sie sich nicht nur im Winter heimisch und geborgen fühlen. In jeder Generation gibt es ein paar Leute, die dem sozialen Ereignis mehr Beachtung schenken, als der Qualität der Performance. In dieser schönen Welt mögen die Pamphlete von Halter zum Kulturbetrieb, über die Literaturinstitute, gegen Thomas Hirschhorn und eine ganze Reihe mehr - im Anschluss an seine Lesung auf Aufforderung von Daniel Ryser, er solle doch etwas über seine ökonomische Situation als Dichter erzählen – amüsant sein, so eine Art Teddybär-Revolutions-Gemurmel. Für mich als Zuhörer klang es, wie wenn Stephan Eicher in ein Bärenfell eingewickelt in St. Moritz über hungernde Kinder jammert. So gesehen war der Abend ein voller Erfolg. Ein durchaus ansprechender und klug inszenierter Bauernschwank in zeitkritischer Manier ist am Theater nicht fehl am Platz. Eine wichtige gesellschaftliche Funktion, wie allenthalben auch ambitionierte junge deutschsprachige Theater Horvath wieder zu huldigen wissen. Für ein Literaturhaus ist das eine beachtliche Leistung.

Oktober 2017

Steven Shearer, Printed Works
Galerie Eva Presenhuber
2.09. –14.10.2017
Eindrücklich ist der technische Aufwand, mit der diese Galerie ihre Ausstellungsbesucher von einer realen Stippvisite abhält. Vermutlich sind die hellen, hohen Räume vor allem wegen ihrer virtuellen Abbildungsqualität als Domizil der Galerie gewählt worden. Mehr noch als die urbane Architektur und die Lage neben dem Prime Tower. Das ist natürlich heiterer Unsinn, aber ein Blick auf die Homepage lohnt sich. Der Grund für das kapitale Auftreten der Galerie liegt an der Ware, die angeboten wird, am Kunden und seinen Erwartungen an die Umgebung und den Service. Dieses zielstrebige Kalkül ist auf dem Niveau der Galerie Presshuber zu erwarten und eigentlich nicht besonders erwähnenswert, wenn nicht – und deshalb diese Einführung – bei der Präsentation des kanadischen Künstlers Steven Shearer eine überaus marktaffine Auswahl die inhaltliche Arbeit des Künstlers überlagern würde. Wenn einem ab und an auffällt, wie unverfroren früh Weihnachtszeugs in den Läden liegt, oder wie Autohäuser Formen von Kunst, Frauen und klobigem Design zusammenschustern, so zeigt dies insbesondere, wie wenig das Kundensegment in der Kunst vom Unterhaltungswert Bildung hält. Natürlich hat die Kombi Presenhuber/Shearer im Sinn, aus halbseidenem Material eherne Kunst zu machen und umgibt sich mit der Gunst der Rhetorik des kunstkritischen Genres, als wäre dieser Kanon nicht längst nur noch ein Detail einer nicht mehr konstruktiven Entwicklung. Die Kunst hat lange profitiert von den Medien im Informationszeitalter und dem Traum des Silicon Valley von überall vorhandenen Informationen, die Gerechtigkeit und Frieden in die Welt bringen. Was ansonsten nur noch Indoor-Kiffer und Teenager rezitieren, scheint bei Shearer das undeutliche Hintergrundgemurmel zu sein, von dem Presenhuber träumt, es sei wie bei einer Messe, so was wie eine gottgegebene laterale Störung. Bei den amerikanischen Käufern und bei der religiös erzogenen europäischen Elite wandelt der Künstler immer an der Grenze zwischen Debilität und Genie: es fördert den Absatz. Ist die Show also ausgebuffter, als es der Saaltext vermuten lässt oder man anhand der Leseordnung in der Ausstellung vermuten würde? Mag sein. Unklar ist jedenfalls, wem der Verdienst für diese Ausstellung zukommt? Ist es der Künstler, der found photography betreibt – mittlerweile nicht mehr nur ein in ollen Brockenhäusern oder romantischen Dachkammern der Grosseltern Herumgestöbere – sondern nunmehr eine akademische Disziplin – in so einem unerträglichen Masse, dass er als Fundort sich selbst angeben kann, ohne dass es jemand interessieren würde. Fremdschämen ist in, wenn die Drucke von belanglos bemühten Jugendlichen aus den 70ern (Shearer hat Jahrgang 1968) wie zu Warhols Zeiten eingefärbt, dazu herhalten müssen, dem Selfie der Gegenwart die revolutionären Gesten der Altvorderen nahe zu bringen. In dieser Form ein Rohrkrepierer, der hier ungewollte Dramatik auslöst. Wie verbogen die Ausstellung selbst daherkommt und wie unklar es ist, wo die Arbeit des Künstlers aufhört und wann das Marketing der Galerie zu greifen beginnt, zeigt sich anhand des einmalig vorkommenden Kunststücks, einer kleinen Zeichnung des Künstlers. Die winzige Porträtzeichnung, wahrscheinlich mit Rötel gezeichnet, als Referenz an die Renaissance (Saaltext), verweist auf das (Früh-)Werk des Künstlers, der mit diesen Arbeiten um 1990 von Kanada nach New York gezogen ist. Diese zugänglichen und klaren Zeichnungen, die seine künstlerischen Herkunft und Qualität zeigen, sind wie zu einer Privatsache des Künstlers geworden. Die langwierigen und sensiblen Produktions- und Fabrikationsprozesse dieser Zeichnungen passen nicht zum hektischen und illustren Betrieb einer internationalen Galerie. Der Galerieraum würde sich leer anfühlen. Das Publikum wäre darüber sicherlich enttäuscht, die Aktionäre entrüstet. Nicht viel anders macht es übrigens die Galerie Peter Kilchmann im selben Haus. Shirana Shahbazi (1974) zeigt dort, dass es nie Schamgrenzen in der Kunst-Produktion geben kann, wenn die Endsumme stimmt. Ihre durchaus ansehnlichen (mitunter auch abstrakten) Fotos hängen in breiten silbernen Rahmen und werden konterkariert von knallenden geometrischen Farbvariationen, die auf die Wand gemalt sind. Es ist also ein Haufen Mist aufgebahrt, der stinkt. Und was stinkt, das war in den 70ern die revolutionäre Bewegung und muss heute scheinbar auch die kritische Kunst.


Volvo art im Schiffsbau

Von Gaston Bussière, Gemeinfrei

Kunst: Szene Zürich 2018

Die Teilnahme an einer All-Inclusive Ausstellung schadet a priori eigentlich nie, zeigt die Erfahrung vieler Portfolien von Kunstschaffenden. Ein schaler Geschmack hängt aber an der aktellen Ausschreibung der Stadt Zürich an. In welchen Räumen oder Atmosphären die Arbeiten gezeigt werden, ist nicht transparent. Sowenig wie die Kosten, die dafür anfallen dürfen. Zu erwarten sind voraussichtlich spontan gegründete OFF-Spaces (Kriterien unkommerziell und nicht bereits unterstützt durch die selbige Behörde)hinter denen idealistische wie ästhetische Programme die Sicht verengen und über wenig Reputation oder über eine adäquate Käuferschicht verfügen. Die Realität zeigt ja gerade, dass eher der Umsatz der Bar und die adrette Gestalten gefragt sind, während die Käufer vor allem soziale Bindungen suchen. Für engagierte Künstler_innen eine halbe Zumutung. Wie sind beispielsweise die Werke den versichert? Nicht!? Die Qualität der Eingaben fördert man mit diesem einseitig verteilten Risiko der Kosten nicht. Ob es ein Zeichen für eine liberale Grundhaltung gegenüber der Kunst darstellt, die in der Kultur-Bürokratie allgemein um sich greift - die freiwilige Zurücknahme des Engagements durch die Öffentliche Hand als Hasentaktik - muss eine Vermutung bleiben. Unter dem Eindruck dieser unausgegorenen Vorlage ist diese Ausschreibung im nächsten Absatz als Hilfeschrei zu verstehen. Dort – nehmen wir mal an, es handelt sich um ein koordiniertes Vorgehen – wird dazu aufgerufen, Orte und Events für Ausstellungen zu klassifizieren. Als Kriterium dient wiederum eine liberale Idee, die der Partizipation mit dem gemeinen Volk, welche heutzutage wieder en vouge ist, für Sozies genauso wie für freiheitliches Streben. Der weisse und seit Generationen heimische Mittelstand, der demografisch die Demokratie ausrichtet, stülpt die kleinbürgerliche Moral wie zu wilhelminischen Zeiten (1890 – 1914)über die Künste. Das ein kulturelles Amt diesen Widerspruch zwischen Tat und Wirkung nicht erkennt, zeigt auf, wie unbedarft die Schaltstelle der städtischen Kultur die dekadenten und unausgegorenen Ideen der proppenvollen Hochschule übernimmt. Strikter Opportunismus war in der Kulturpolitik einmal die überlebenschance für unangepasste Produktionen, die gegen die bürgerliche konservative Kritik geschützt werden musste(was diese bis heute – und heute zu Recht - unter dem Begriff elitäres als Ressentiment pflegen). Diese Zeiten sind schon lange vorbei. Wer sich so aufführt, spiegelt nur noch einen mann'ischen Beamtennarzissmus. Was also tun? Wir von der NKZ propagieren für eine Politik der Vernunft. Wohlwollende Partizipation und Kooperation zwischen den Zahnrädern der Gleichmacherei und Verblödungsmaschinerie. Wotan stehe uns bei. Wir werden Brünnhilde wecken.



Kunst: Szene Zürich 2018
Ankündigung eines Experiments
Der nächste Meilenstein wird die Ausschreibung des erwähnten Projekt- und Ideenwettbewerbs sein.
-Homepage Stadt Zürich


Kontertext: Wer gut schläft und wer nicht
Felix Schneider / 18. Aug 2017 - Adam Szymczyk, Kurator der documenta, denkt über die Welt und die Kunst von heute nach. Die NZZ vergisst journalistisches Handwerk.
- Artikel von Felix Schneider
- Kommentar der NKZ


CHRISTOPH SCHREIBER - Unentwirrbarer Busch am Rande der Schlucht. Freitag 25. August 2017 ab 18h in der Galerie Mark Müller GMap
- Übungsblatt SFEB

Juli 2017
Sarajevo–Zürich: Unlimited, Besuch in der privaten Kunstinitiative Walcheturm, weiter


Juli 2017
Das Projekt NKZ bewirbt sich für die kuratorische Leitung der Twingi-Landart.
- Auszug Bewerbungsunterlagen, Pdf-Format


Juni 2017
Kommentar zu:
tsüri – 13 Gründe, weshalb die Zürcher Kulturpolitik. Zugang ist nicht kostenlos; wir haben aber keine Provision
In allen Ehren, Herr Weber ... weiter

Mai 2017
Projekt Safari und Neue Kunsthalle Zürich. Experimentelle Vermittlung, Schule und Kunst im Kanton Aargau. Die Jury hat das Projekt Neue Kunsthalle X angenommen. Start ist am 10. Juni 2017 im Stadtmuseum Aarau.
PDF für Lehrkräfte, Handout

Mai 2017
Die Einigelung von Christoph Rütimann wird in Zug platziert. www.kunsthauszug.ch, 22. Mai bis 31. August 2017

April 2017
Die HV der NKZ wird am Zollikerberg durchgeführt (vielen Dank für die Bewirtung an die Familie Moser!). Auszug Protokoll: 1. Die Bisherigen werden wiedergewählt, 2. Revisionsbericht 2016 wird angenommen, Budget 2017/18 und Zielsetzungen des Vorstandes werden einstimmig verabschiedet.

Februar 2017
Die NKZ bewirbt sich für die Leitung der Shedhalle Zürich.
Auszug Bewerbungsunterlagen, Pdf-Format


Februar 2017
Das Projekt NKZ auf der Pfingstweid ist nun auch finanziell abgeschlossen. Die letzten Rechungen sind verbucht worden.

Februar 2017
Die Neue Kunsthalle Zürich beteiligt sich nicht am Wettbewerb Gasträume der Stadt Zürich.