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September 2018

Regierungsrat Zürich II

Nachdem nun angenommen werden kann, dass die Initiative der Filmer durchkommt, klärt sich auch rasch, dass dadurch auf die anderen Sparten Abstriche zukommen werden. Die bürgerliche Kantonsregierung will auf Teufel komm raus sparen und hegt keineswegs die Absicht hegen — wie es z.B. einzelne Sp-ler ausserhalb der Regierung nun etwas alibimässig fordern können, — das Kulturetat des Kantons zu verdoppeln. Es geht um ca. 3 Millionen, die durch die aktuelle Rochade für die Freie Szene verloren gehen würde. Falls die Initiative angenommen würde wäre dies auch ein überzeugender Sieg für die Kreativitätsindustrie und ihre neuen politischen Freunde von der FDP und CVP. Für die klassischen Künste bleibt zu hoffen, dass die Filmer hernach Solidarität zeigen, wenn es dann auf städtischer Ebene darum geht die ausbleibende Unterstützung durch den Kanton zu kompensieren.



Von links nach rechts: Dr. Kathrin Arioli (Staatsschreiberin), Dr. Silvia Steiner CVP, Ernst Stocker SVP, Carmen Walker Späh (Vizepräsidentin 2018/2019) FDP, Dr. Thomas Heiniger (Präsident 2018/2019) FDP, Markus Kägi SVP, Mario Fehr SP, Jacqueline Fehr SP
(Foto: André Springer, Horgen), Quelle: Homepage des Kantons Zürich


Artikel vom 12.09.2018 in der NZZ über die Debatte im Opernhaus



Shedhalle Zürich

Die nächste ausserordentliche Mitgliederversammlung findet am 1. Dezember 2018 statt. Bis dahin werden betriebliche und inhaltliche Defizite aufgearbeitet. An diesem Tag stellt sich auch ein neuer Vorstand zu Wahl.



Regierungsrat Zürich

Während das Filmschaffen im Kanton Zürich mittels einer Initiative eine eigene Gesetzesverordnung für die Förderung verlangt (damit die Förderung nicht von den jährlich immer wieder zu beantragenden des Lotteriefonds abhängig ist, und dadurch immer auch zum Pocker wird), zeigt der Regierungsrat mit dem Holzhammer, was er von solchen Einflüsterungen der Kunstschaffenden hält. Indem er das Kulturbduget um Millionen erleichtert, reduziert er vornehmlich die Beiträge an die Freien Szene und kleinere Kulturbetriebe, die keine vertraglich gesichterten Subventionen bekommen.

Dass im Kanton Zürich bürgerlich bis verwegen rechts politisiert und teils extrem gegen die Interessen der einfachen (nicht selbstständig, wenig vermögend, mit Migrationshintergrund) Steuerzahler verordnet wird, erstaunt ja niemanden, der ein wenig über die soziale Realität ausserhalb des Vorortgürtels nachgedacht hat. Ohne Not, nur aus reiner Willkür und von Allmachtsallüren durchgeschüttelt. Wiedereinmal bestätigt es sich, dass das bürgerliche Theater mit seinen moralischen und ethischen Parabeln im Alltag keine handlungsrelevanten Einfluss haben. Da rächt es sich hinterlistig, dass die Frauen vormals die Männer ins Theater schleppten um ihnen etwas Kultur beizubringen. Die Streicheleinheiten gab es nur wegen dem Wein, nicht wegen dem Meinungsumschwung. Wahre Reue sieht anders aus. Furchteinflössend.





August 2018


Wer schon mal im hinteren Graubünden war, weiss um die vielfältigen Symbole an den Fassaden, um die Fresken überall an den Aussenwänden und Borden, die die Gegend irgendwie farbiger und niedlicher machen. Es gehört hier offenbar zum guten alten Ton einer Fassade und wird entsprechend touristisch ausgeschlachtet. Ausnahme ist Davos, wo man sich einen Deut um Schönheit macht und lieber kassiert. Eine Zwischenstufe sieht man rechts auf dem Bild. Traditionell wäre an der Hausecke in Scoul eine Säule mit Beischmuck imitiert worden. Hier verwendete man eine kostengünstigere Variante, die frei von künstlerischen Ansprüchen ist und die etwas über die tatsächliche Bauweise erzählt. Eine minimale Fassung, die den Vorgaben des Denkmalschutzes noch genügte. Selbst der Haussockel ist nur mit aufgeklebten Granitplatten aus dem Baumarkt angedeutet. Transparenz und Dialektik versus Geheimnisse und Poesie prallen aufeinander, wie sie dies auch im Helmhaus gegenwärtig tun, wo die Preisträger der Stadt ausgestellt sind. Einsame zehnjährige Hasardeure auf dem Schulhof – denen es am Bewusstsein fehlt, dass sich auch ihre Welt weiter drehen wird.



Shedhalle Zürich

Der Vorstand und das aktuelle Leitungsteam der Shedhalle beenden die Zusammenarbeit auf Ende September 2018. Grund für die Beendigung der Zusammenarbeit sind Unstimmigkeiten bezüglich der institutionellen Ausrichtung und der gemeinsamen Arbeitsweise innerhalb des Teams sowie darauf folgend Differenzen zwischen dem Team und dem Vorstand über das weitere Vorgehen. Letzteres führte Ende März dazu, dass vier Mitglieder des Teams kündigten.



Aufgrund der Entwicklungen findet ab Herbst 2018 ein Diskussionsformat für die Vereinsmitglieder statt, um gemeinsam über die Position der Shedhalle innerhalb der Kunst- und Kulturszene Zürichs zu sprechen.

Juli 2018

Wojciech Fangor

Für alle, die sich gefragt haben, was dieses Bild von Fangor mit dem Ablaufplan einer Neuen Kunsthalle zu tun hat, hier die Erklärung.
Hinsichtlich einer Umorientierung von der anschaulichen materiellen zu einer verwegenen inhaltlichen Seite wird der Standort der Neuen Kunsthalle wechseln. Wegen seiner physischen Beschaffenheit, hat sich bei der Wahl der Ort Amrain durchgesetzt. Er ist zwar mehr oder weniger verortbar, aber seine Tragweite und seine Dimension ist nicht wirklich fassbar. Historische Sprünge fühlen sich so ähnlich an. Wenn man gedanklich in Bledów, den letzten Wohnort von Fangor, harrt, erkennt man im Jahre 1999 manches. Letztlich bleiben wir aber immer ein wenig fremd in einer fremden Zeit in die wir die Nase hineinstecken. Das Werk von Fangor soll uns hier an die Unterschiede zwischen dem Künstlerdasein und dem Leben von Lohnerwerbern erinnern. Selbst dann, wenn sich auf der gesellschaftspolitischen Ebene Revolutionäres abspielt und Unterschiede in der Hektik der Gegenwart ausgeglichen erscheinen, tauchen früher oder später immer Ressentiments gegen die Künstler* auf, von oben: man kann es ihnen nie Recht machen, von unten: faule Sau oder Neudeutsch 50%ler. Das macht die Künstler natürlich nicht per se spezieller als andere gesellschaftlich geächtete – zu denen mittlerweile ja schon ziemlich alles gehört was auf Zwei nicht auf die Beinen steht. Es ist der Anteil an Wohlwollen innerhalb der Arbeit der Künstler, der den besondere Alleinstellungsmerkmal darstellt. Derjenigen, die sich mit dem Wesen der Kunst praktisch auseinandersetzen und dazu auf der Klaviatur des Menschseins spielen. Gute wie schlechte Kritik an der Gesellschaft zu üben kann aber auch furchtbar langweilig sein, wie Fangors Lebenswerk zeigt, der unverblümt die Richtung wechselte. Das Zerwürfnis zwischen den unterschiedlichen Lebensentwürfen endet erst mit dem Ende der Erwerbstätigkeit [Anm. d. Red.: möglicherweise auch durch das Grundeinkommen]. Haben die Leute Zeit zum aufeinander zuzugehen bauen sie überraschend viele Hemmungen ab. Wenn auch vielleicht nur dadurch, dass die Beweglichkeit dafür abnimmt sich bei unverfrorenem Verhalten aus dem Staub machen zu können.


Juni 2018

Wojciech Fangor

Bis zu seinem Spätwerk hat Fangor sich mit diversen Stilen und Techniken auseinandergesetzt. Das Spätwerk des polnischen Künstlers, der bis zu seinem Tod 2015 abseitig von Warschau in einem Weiler lebte, ist geprägt durch eine Auseinandersetzung mit Licht und Farbe - was bei den Künstlern dieser Generation oft vorkommt.


Bildquelle: curiator.com


Mai 2018

Ian Anüll begleicht offene Rechnungen mit Kunst
Simon Baur in der NZZ

Am 6. Juni spielt Ian Anüll auch in Luzern, Vernissage ab 18:00 Uhr, Museggstrasse 6.


Im Verschwinden der Kunst ist mehr erreicht als im Zeigen.
Von Philipp Meier über Bruce Naumann in der NZZ


März 2018

Habitus der Verrückten, Peter Iseli bei annex14, Zürich

Refaire le monde* POSITIONEN 09.03. - 06.05.2018 Helmhaus Zürich

Für alle Vegetarier vorab eine Entwarnung. Die Kontamination mit Fleisch ist durch die Berührung mit Druckbuchstaben und dem Alphabet nicht möglich. Da Sie diesen Text wahrscheinlich auch Online lesen, ist die Gefahr noch geringfügiger einzuschätzen. Wie komme ich darauf? Möglicherweise sind es die exorbitant-bombastischen Aussagen der Kuratoren im Helmhaus auf dem schwarzen Beiblatt zur Ausstellung, die mich auf diese Idee gebracht haben. Als ich den Text lese verschiebt sich mein inhaltliches Interesse in Richtung einer Distanznahme, die ich innerlich immer suche, wenn ich Pfadfindern oder Zeugen Jehovas begegne. Rückhaltlos vom extrem Persönlichen, Privaten ins Gesellschaftliche, Öffentliche ... steht da u. a. als Erklärung zur Ausstellungskonzeption. Rückhaltlos?! Wie ich anschliessend durch die Ausstellung ging, fiel das Wort oder seine Bedeutung bei meinen Betrachtungen jedenfalls kaum ins Gewicht. In der Eingangsetage ist die Absicht durch die zerfledderte Raumordnung wenigstens unübersehbar, resp. unübergehbar. Rückhaltlos zeigen sich eher die Gründe der Kuratoren die Anwesenheit der älteren Arbeit von Gygi zu rechtfertigen. Gott-sei-Dank ist sie gut! Sie hat eine Präsenz und Ausstrahlung in einem Raum, den man in seinen Ausmassen sonst oft nicht zu fassen bekommt. Die Spannung ist bei der Installation von Pascale Bircher hingegen wie angekündigt vollkommen künstlich. Ein Raum mit zwei übergrossen teilnahmslosen Puppen und anderen Kennzeichen von Kinderspiel und Kleiderpuppen. Hin und her albernd scheue ich wie ein Reh vor den möglichen Gedankenwelt, die darin liegt und auch der zugehörige Text im Katalog mir nicht näher zu bringt. Genauso, wie das Gestische schleierhaft, das Metaphysische träge, bleibt der Scherz an der Wand (Penis) im Nebel hängen. Es ist das ungelöste historische Paradox in der Ausstellungspraxis welches mir aufstösst, von dem Simon Maurer als Helmhaus-Kurator mir sagen würde, es sei für ihn zu eng gefasst. Das leite ich so ab, anhand der im Netz vorzufindenden Bekundungen anlässlich seiner städtischen Berufung als Kurator. Dass er qualitativ damit in die argumentative Nähe eines Hintergrundmalers im Zoo zu stehen kommt, scheint ihm egal. Zusammengefasst für alle: Alles was echt ist oder war, gehört ins historische Museum – alles was unecht ist oder war kann Kunst sein, ein zurück in der Geschichte gibt es nicht. In diesem Raum haben die Gegenstände allesamt keine originale Wirkung oder verweisen auf keine originale Einwirkung. Ihre illustrative Verwendung ist so kitschig wie naiv. Geadelt durch ein unbedarft angebrachtes Etikett, das den Klumpen als Kunst ausweist. Für Bildende Kunst, die ihre Leitplanken nicht aus den Katalogen des Mittelstandes schöpft, ein Hohn. Da hetzt der Text von Maurer und Morgenthaler schön synchron nebenher. Der dritte gezeigte Künstler – ein Komponist – der mit seiner Präsentation aufzeigt, dass auch die Musik das collagieren versteht, ist ein kuratorischer Rückgriff auf die wacklige Theorie der Kunst seit der Moderne, die im Duett mit der Philosophie ein halbes Jahrhundert lang alles zur Kunst erklärte, was nützlich erschien, um ihre Deutungshoheit vom geistigen Fortschritt zu sichern. Das nennt man schlicht Propaganda. Um nicht den Falschen zu treffen: es ist an den Kuratoren die Hallen sauber zu halten. Dem Künstler geht es letztlich nur um die Möglichkeit sein Werk zu präsentieren. Ein Stock höher wird dann deutlich woher der Wind weht. Die Erklärung der Kuratoren den Dokumentarfilm im musealen Kontext zu zeigen, weil er im Kino keine Chance bekommt, entbehrt jeder Logik und Klasse. Das Helmhaus ist ein Instrument der städtischen Kunstförderung. Für die Förderung von Film- und Musik ist es nicht vorgesehen und allfällige Kritik an anderen Institutionen ist anderswo zu platzieren. Man stelle sich einmal vor, Gemälde, die die Zürcher Künstler*innen abseits der Öffentlichkeit produzieren, würden die Bühnen des Theaters mit dem gleichen Argument besetzen. Subversive Taktiken entziehen nicht dem Fördergut die Kompetenz, sie wenden sich gegen die Fehler im System, also gegen oben. Wenn in der Kunst ein Hyp tot läuft, sinken die Ansprüche der Gralshüter. Gelangweilt werden die Ansätze beliebig repetiert und nicht mehr hinterfragt. Kraft ihres Amtes wird dem Publikum eine (Welt)Sicht aufgezwungen und der Salon mit ihren privaten Spielereien ausstaffiert. Das ist keine neue Einschätzung, das ist als Manierismus bekannt. Die Leser, die noch wissen, zu welcher Zeit Salons üblich waren, werden sich einen historischen Reim machen können und Politologen werden einen Mechanismus der aktuellen politischen Landschaft wiedererkennen. Die Folgen davon natürlich auch. Deshalb sehen sich kultivierte Leute keine Serien an. Es ist langweilig immer wieder das gleiche anzuschauen, es gibt Dringlicheres. Es ist indes wieder nur der ewige Systemfehler in der Förderpolitik, der eigentlich auf diesem Niveau nicht mehr möglich sein sollte. Zuletzt – bevor ich mich wieder den positiven Seiten zuwenden will – sei noch gesagt, dass die Infantilität und die Scheu vor den wahren Realitäten, die die Gesellschaft schuldig macht und die diese Ausstellung vorgibt sie beheben zu wollen, schon immer ein Teil der Sage von Künstlern und Kunsthändlern war, für die Reproduzierbarkeit der Kunstwerke (nicht von Benjamin, sondern aus der transatlantischen Businessclass). Die Mutter aller Schwächen gegenüber den materiellen Besitzansprüchen und einem ambitionierten Kunstwerk. Auch die Angst gegenüber zu hohen Ansprüchen, die abwehrend vielfach in einer Art Fürsorge der Kuratoren gegenüber neuer Kunst mündet, ist keine qualitative Option. Das zeigt mit aller Deutlichkeit der Debattierklub im obersten Stock der Ausstellung, indem das Interieur und die Materialien der Besorgten rund um die Flüchtlingspolitik zur Schau gestellt werden. Im grössten Bemühen darum aktuelle gesellschaftliche Thema an den Mann zu bringen wird ein kindlichen Theater initialisiert, auf Kosten der Betroffenen, die die möglichen Tragweiten der zeitgenössischen Kunst nicht überblicken können. Positionen wie im Warenhaus anzupreisen und die Nachwirkungen den Produzenten und Konsumenten zu überlassen, ist der schlechte Stil von Ressourcenhändlern und Kapitalisten, die unter dem Dünkel und dem Protektionismus ihrer politischen Lobbysten ein Herrenleben geniessen. Was war das Thema der Ausstellung? Als positive Seite der Ausstellung ist insofern die Erkenntnis anzusehen, dass status- oder linienaffine Hyperaktivitäten besonders im Kulturbetrieb immer noch nicht zu brauchbaren Resultaten führen. Ist das die versprochene kuratorische Leistung?
Ein Systemfehler, der hoffentlich durch die kommenden Ausstellungen der POSITIONEN relativiert wird.

NKZ bewirbt sich um die Teilnahme an der «Kunst: Szene Zürich 2018» als Gastgeber*in, erhält aber einen abschlägigen Bescheid. Hier unser DossierHohes Kunstlager zum Download.
Februar 2018


visarte zürich engagiert sich in der Zürcher Kulturpolitik Gründungsversammlung Verein PRO KULTUR KANTON ZÜRICH

Die Kulturförderung des Kantons Zürich und deren Finanzierung befinden sich zurzeit im Umbruch. Es ist momentan offen, wie und ob die Fördermittel ab dem Jahr 2022 sichergestellt sind.

Januar 2018

Inside the Private Museums of Billionaire Art Collectors

Founding museums is the new pastime among high-stalkes collectors. It's great for creating a legacy - and hefty ta breaks - but is good for art?

Story by Michael Shnayarson https://spkantonzh.ch/app/uploads/2016/12/SP_kultur_Positionspapier_2017.pdf

Interessant dabei ist die Glorifizierung des Wissenszugang durch die käufliche Annäherung an das Potenzial der Künstler. Neben dem Zweifel, dass der Künstler mehr als ein paar interessanten Anektoden, einen smarten Umgangston oder ein charismatisches Auftreten hat, ist es doch gerade die im Künstleralltag angelehnte Überlebensstrategie, die viele klare Worte spricht, mehr als ein redlicher Mensch zu bieten hätte - müsste für die auf Effizienz und Neid spezialisierte Käuferschaft das Offensichtlichste erkennen. Die Erzählung und das Original ist immer der Kopie voraus, hat eine Zukunft und ein Ableben. Diese Norm des Lebens scheint in den Etagen dieser Milliardäre verflogen zu sein und kein Jeff Koons oder wie sie alle heissen hat noch das Zeugs dazu es ihnen zu sagen oder sie mit Missachtung zu strafen.
Der Kantonsrat

Die Kantonsparlamente sind schweizweit mehrheitlich bürgerlich zusammengesetzt und handhaben die Geschäfte so wertkonservativ wie neoliberal. Brav wie die grossen Brüder und Schwester in Bundesbern, manchmal ein wenig unbedarft und provinziell, dafür immer aufrecht. Wo Kartoffelacker und Maisfeld die Landschaft prägen, ist die bäuerliche SVP am hörbarsten. Wo Bausünde an Bausünde in vormals landschaftlichen Hängen und Gräben ins Auge haut, da ist auch der Theater-Schwank zu Haus, das schenkelklopfende Saalpublikum, der Mann im karierten Hemd über feistem Bauch, die Frau im Bowie-Look der 1980er, als Roger Moore auf der Leinwand noch galant erschien. Naive Philanthropen waren ihre Vertreter im Kanton noch nie. Kulturschaffende müssen nicht gut genährt durchs 21. Jh. geführt werden und jene freien Kunstschaffenden, die mit den lässigen Schneidebrettchen, den lustigen Beton-Männchen und fetzigen Stoffgirlanden vor ihren Chalets – sind markttauglich. Umso mehr als heuchlerisch empfindet man dafür Jacqueline Fehr und ihre Sozialdemokratische Partei und alle anderen (einst) kulturfreundlichen Parteien. Ihr Einsatz für die freie Kunst, die abspecken muss zugunsten der Wanderbühne Zürich, war lächerlich. Dumm und unverständig, ruft der Chor in der griechischen Tragödie, euch Zuschauer zu, die ihr euch leiten lasst von schlechten Menschen. Anstatt das Unausweichliche auf die grossen Institutionen zu lenken und dort einen Obolus für die freie Kunst einzufordern, machen sie die Kleinen fertig. Das schimpft man einen feudalen Pragmatismus, den ihr eigentlich aus den Theaterstücken der Wanderbühne kennen müsstet. Lackierte Nägel biegen sich und die Schmerbäuche rütteln sich sobald am Ende des Theaterabends der eitle Herr Doktor, der intrigante Geschäftsmann, der geldgierige Politiker und der grantig-böse Grossbauer, der den Mägden nachhechelt, dann doch noch über ein grosses Herz oder eine selbstlose Tat stolpert. Da kommt die gotthelfsche Tugend wieder auf, der hohe Haaransatz auf der Kanzel erscheint im Glanz. Aber bis am Montag in den Alltag reichen sie aber eben nie. Nachhaltigkeit sieht anders aus. Ein einziger sozialdemokratischer Streitsüchtiger – ein Stadtzürcher, Andrew Katumba – drückte seinen Unwillen mit Nachdruck aus und gab seine Stimme für den schäbigen Handel nicht (Quelle: TA). Es gilt festzuhalten: seit der Regierungsrat das Geschäft im Oktober angekündigt hatte, wird klarer, dass bei den linken Parteien der Schreck über die Grünen (die in Deutschland gerade versucht haben sich mit der CDU/CSU und FDP zu verbünden) als diese in eine neoliberale Redensart verfielen und sich aufspalteten, um in der modernen digitalen Welt wieder an Sexiness zuzulegen – eine linke Desorientierung auslöste und das politische Kalkül überhand nahm. Das zeichnet kein schönes Bild ab, aber es ist im politischen Geschäft auch nicht mehr wirklich relevant. Die Kulturstrategie der SP Kanton Zürich 2017 sagt: wir scheuen nicht die Auseinandersetzung mit denen, welche bei der Kultur abbauen und sparen wollen, und meint damit: die Verhältnisse Betriebsbeitrag Opernhaus 81,5 Mio 81,0 %, Projektbeiträge 4,2 Mio 4,2 %, Betriebsbeiträge 12,9 Mio 12,8 % und Verwaltungsaufwand 2 Mio 2,0 % sind in Ordnung. Im 16-seitigen Positionspapier findet sich auch nur ein visionärer Satz zur Kulturpolitik und der führt illusionslos alles zu Ende: Schwerpunkte der kantonalen Kulturförderung sind die Regionalisierung der Kulturförderung (und entsprechend die gemeindeübergreifende Zusammenarbeit), die Förderung der Kulturproduktion und -vermittlung, der Erhalt der internationalen Strahlkraft der Städte Zürich und Winterthur sowie die Stärkung der kulturellen Teilhabe und des Austausches. https://spkantonzh.ch/app/uploads/2016/12/SP_kultur_Positionspapier_2017.pdf


Dezember 2017

Zum Jahresabschluss ein Blick auf das Helmhaus keine Zeit und eine besinnliche Entdeckung: das Hallenbad Altstetten.

Wie darf es sich anfühlen, wenn man im Alter geehrt wird – weit entfernt längst von Konkurrenz-Neid oder entrückt der Trauer über verpasste Chancen – von jungen Jurorinnen, die wenig von der Erfahrung mitbringen, die nötig wäre, um Lebenswerke einzustufen, in denen der Zahn der Zeit unübersehbar Spuren hinterlassen hat und die von Abseitigem und Absonderlichem aus den gesellschaftlichen Ecken erzählen? Ein Anfängerfehler kann es nicht sein, den das Helmhaus hier begeht, viel mehr mag es der Hektik der Szene geschuldet sein, die Zwängerei zur Objektivität einer Zürcher Ausstellung. Man erkennt daran häufig schon vorab die Schwächen des Ausstellungskonzepts, das unter dem sozialen Druck und der Pflicht der gesellschaftlichen Rücksichtnahme, die den künstlerischen wie akademischen Diskurs aktuell durchzieht. Unter diesem Druck zur Nivellierung - alle Kunstwerke dürfen Platz haben – ist die Platzierung eines Sonderlings in der Ausstellung die eine arrogante kulturimperialistische Geste zu viel. Auch wenn der Grund für diese spezifische Wahl möglicherweise eine romantische Rührung war, so ist es doch die Aufgabe des Kurators, besonders auf die Würde der Exponenten zu achten. Selbst ein exhibitionistisch veranlagter Stadtzürcher Künstler ist letztlich einfach nur eine Autarkie. Authentizität darf dann nicht unreflektiert blossgestellt werden. Emendieren ist eine Kardinaltugend in diesem Gewerbe. Nichtsdestotrotz gibt es gerade in diesen Vorfesttagen und den üblichen Werkschauen am Jahresende immer wieder Kunst zu entdecken, die sich auch in Jungendzentren genügend Raum verschaffen können. So schafft es z. B. die omnipräsente Ilona Ruegg immer und überall, einen adäquaten Umgang zu finden. Noomi Gantert verfolgt im Helmhaus einen sehr ebenso ambitionierten Ansatz in ihrem Werk. Leider ist es auch hier die mangelnden Sorgfalt der Kuratoren, die weder den Raum noch die Auswahl der gezeigten Werke interessant hielten, auf das man als Betrachter irgendwie entschieden aus der Auswahl von Gantert hervor gegangen wäre. Gemessen an der Gesamtauswahl der Ausstellung mit dem üblichen Krimskrams, der sich diverse gesellschaftliche Themen auf unbedenkliche Weise aneignet, öffnet Gantert ein Bouquet alternativer Möglichkeiten der Kunst des 20 Jh.. Auf ideeller wie materieller Ebene scheint in ihrer Begrenzung der Methodik eine Grösse zu liegen, die bei den anderen Werken leider nicht aufkommt. Dafür sind vielleicht die Aussagen der KünstlerInnen, die in der Ausstellung über den Wechsel der Künstlergenerationen Auskunft geben, so bedeutungslos wie ahistorisch. Sie fokussieren nicht auf das gemeinsame Interesse an der Kunst, sondern es wird nur das hochspekulative intellektuelle Fassungsvermögen als Beispiel verwendet, mitunter über motorische Unzulänglichkeiten gespottet. Ein Manko der neuen Ausbildungsstrukturen des Berufes wird durch diese Aussagen zur Hypothek der Kunst nachfolgender Generationen; wer wie die Futuristen die Zurückgeblieben desavouiert, versteigt sich, setzt das Eigene ungebührlich über das Ganze. An diesem inadäquaten Umgang erkennt man den Mangel an Professionalität bei den heutigen Studenten (und natürlich auch deren Lehrkörper). Analysieren und Denken sind Vorgänge, die auch ohne konkrete Inhalte im wissenschaftlichen Bereich Sinn als Experiment oder zur Überprüfung von komplexen Thesen sehr dienlich sind. In der Realität sind es Dinge wie das politische System, die Ressentiments in der Bevölkerung schüren, u. a. auch gerade durch ihre Entfremdung. Darum auch – lässt sich spekulieren – funktioniert eine politische Kunst in der Realität des Alltags nicht. Heuchlerische Aussagen, offene Lügen sind das Tagesgeschäft. DADA oder akademisch-wissenschaftliche Themenfelder widern die Besucher heute bestenfalls noch an. Im Übrigen, um es mal festzuhalten: Soziologie ist eine Wissenschaft. Erst wenn das poetische in der Gesellschaft angekommen ist, als fester Bestandteil und Wert, wird man möglicherweise an der Uni seine Hypothesen singend vortragen können. Bis dahin gilt, bleibt oben!

Als Ablenkung empfehle ich da ein paar Züge im Hallenbad Altstetten, ein wunderschöner Bau mit einer wunderbar menschlich ausgelegten Raumverteilung, die auch der Neugier (hoch gelegenes Café) und dem Gaumen (Suppe) zuspricht.


Bildquelle: ETH-Bibliothek

Als Ablenkung empfehle ich da ein paar Züge im Hallenbad Altstetten. Ein wunderschöner Bau mit einer wunderbar menschlich ausgelegten Raumverteilung, die auch der Neugier (hoch gelegenes Café) und dem Gaumen (Suppe) zuspricht.





GRAND TOUR 2017: Kassel, Venedig, Münster is Tuesday at 6:30 PM Organized by Hauser & Wirth

Ein paar der Gäste auf dem Podium haben die Ochsentour hinter sich gebracht und alle drei Ausstellungen in diesem Sommer besucht. Das man dabei keinen Überblick gewinnen kann, ist nicht erst seit diesem Jahr offensichtlich. Die schiere Grösse der Veranstaltungen wird auch einhellig - vorab die Dokumenta, die an diesem Abend am meisten Kritik einstecken muss - als Problem betrachtet, wie sie auch als eine der wichtigsten strategischen Tendenzen der grossen Ausstellungsgefässe erkannt wurde. Dieser Gigantismus und andere Schaumschlägereien, wie das Pantheon der Bücher in Kassel, aber auch grobe Denkfehler, die den politischen Aspekt der Kunst durch eine stiefmütterliche Behandlung oder kaum zu überbietbaren Dekadenz der Kurator_innen ins Absurde und Hässliche führten, wurden als Beispiele in der Gesprächsrunde durchgegeben. Die Kritik an der neo-kolonistischen Manier der Political-Correctness und einem manieristischen Gender-Akademie-Theorie-Gefassel (Das Podium nannte es nicht so), die in unbedarfter Variante in dunkle Register führt, ist weder neu noch anregend. Wenn man Kaspar Königs Verzicht in Münster auf die Anbiederung an die Beschleunigung und den Fokus als Kurator auf die eigenen Kernkompetenzen und die der Künstler_innen legt, und diese dann lobt, ist in der Aussage wohl unverhofft etwas versteckt - so schien es an diesem Abend - in dieser Sachlichkeit liegt eben etwas von dem Dringlichen wie Relevanten, dass die Podiumsteilnehmer am Ende für die nächsten Grossausstellungen sich wünschten. Viel mehr als interessante und anregende Anekdoten aus dem Ausstellungszirkel, das übliche Beklagen der schlechter Saläre für Journalisten und Kritiker, der Ruf nach mehr Einmischung durch die Künstler_innen - die es manchmal gibt, wie das Beispiel in Australien zeigte, wo sich die Künstler_innen gegen einen Sponsor wandten, der sein Geld mit Flüchtligscamps macht. Kleinökonomische Kriterien sind also durchaus Faktoren, die zu der Schwäche der Kunst im Allgemeinen führen und die Kritik und die Wahrnehmung in der Öffentlichkeit schwächen - von der grossen Ökonomie, der Kunstmarkt, die Museen und Institutionen und der Einfluss des Kapitals auf Gesinnung und Würde liess man sich in der Runde nicht ein. Ihre Kritik am System wird so zu einer Beichte väterlicher Reue gegenüber der Kunst. Nachdem bereits Frau David vor 20 Jahren an ihrer Dokumenta aufzeigte, wo der Kahn Schiffbruch laufen würde, ist der lockere Entertaiment-Ton dieser Veranstaltung eigentlich völlig deplaziert. Dass man bei Hauser & Wirth und der Kunsthalle Zürich etwas mehr Schneid zu diesem Thema erwarten konnte, wäre dann meiner Naivität geschuldet.

Weihnachtsdebakel für die Kunsthalle Zürich



Eine Transparenzoffensive startet der Tagesanzeiger und die Sonntagszeitung (03.12.2017) gegen die allzu umtriebigen Verknüpfungen von Ausstellungstätigkeit, Mäzenentum, Kaufkraft und persönlichem Ehrgeiz. Zu hoffen ist, dass die Repräsentanten des Kantons und der Stadt Zürich für einmal ernsthaft darüber ins Grübeln kommen.
Ringier und seine Millionenmacherin
November 2017



Ein Hauch von Frische soll um deinen Busen schweben,
Dass stärkende Gedanken immer ihn beleben;
Dein christlich Blut, es fliesse hin in steten Wellen,

Wie Laute, die aus alten Sprachen zahllos quellen,
Daraus der Gott er Lieder, Phoebus, noch zu hören,
Und die den grossen Plan, der Ernte Herr, beschwören.


Buchpremiere von Jürg Halter im Literaturhaus Zürich

Mondkreisläufer heisst das Buch und ähnlich verwirrt und desorientiert, wie man sich das Männlein auf dem Mond vorstellt, sich um die eigenen Achsen drehend, bleibt man nach dieser Lesung zurück. Eben! Eine Lesung sollte es werden, eine Buchvorstellung ist angekündigt und es sollte von Literatur und von ein paar halbprivaten Anekdoten und anderem Angereicherten eines Berufenen handeln. Einen kleinen Einblick in die Dringlichkeit und die Hürden eines Schaffenden, eine vage Andeutung des benutzten Handwerks. Der ausgezeichnete WOZ-Journalist Daniel Ryser begann mit einem guten Witz über überschätzte Grammatik, der als Anfang vielversprechend klang. Der Reigen, der sich in der Folge für das Publikum auftat, war eine Mischung zwischen Klamauk und schnoddrigen Kommentaren eines sich aus dem gutbürgerlichen Milieu möglichst herauszuwindenden Autors – bei WOZ-Journalisten gehört das ja zum guten Ton – der in den vorgetragenen Texten Phrasen und Allgemeinplätze summiert und ein bisschen den wilden Mann markiert. Nur ganz selten werden die benutzten Zitate mittels Worten und Sätzen so umrahmt, dass sich die Bedeutung verändert, sie zugespitzt oder gar hinter der Poesie verschwinden lassen würden. Wenn der Musiker die Qualität von Texten nicht immer prioritär behandelt, stört dies nicht. Bei Halter wäre demnach die Performance in den Vordergrund zu stellen, die ihm durchaus liegt, wie er ein paarmal zeigt, als er sich scheinbar ad hoc ans Publikum wendet. Gruppendynamik und Geselligkeit sind für die heutigen Kids, die alle aus feinfühligen Krappelgruppen stammen, wohl der Rahmen, wo sie sich nicht nur im Winter heimisch und geborgen fühlen. In jeder Generation gibt es ein paar Leute, die dem sozialen Ereignis mehr Beachtung schenken, als der Qualität der Performance. In dieser schönen Welt mögen die Pamphlete von Halter zum Kulturbetrieb, über die Literaturinstitute, gegen Thomas Hirschhorn und eine ganze Reihe mehr - im Anschluss an seine Lesung auf Aufforderung von Daniel Ryser, er solle doch etwas über seine ökonomische Situation als Dichter erzählen – amüsant sein, so eine Art Teddybär-Revolutions-Gemurmel. Für mich als Zuhörer klang es, wie wenn Stephan Eicher in ein Bärenfell eingewickelt in St. Moritz über hungernde Kinder jammert. So gesehen war der Abend ein voller Erfolg. Ein durchaus ansprechender und klug inszenierter Bauernschwank in zeitkritischer Manier ist am Theater nicht fehl am Platz. Eine wichtige gesellschaftliche Funktion, wie allenthalben auch ambitionierte junge deutschsprachige Theater Horvath wieder zu huldigen wissen. Für ein Literaturhaus ist das eine beachtliche Leistung.
Oktober 2017

Steven Shearer, Printed Works
Galerie Eva Presenhuber
2.09. –14.10.2017
Eindrücklich ist der technische Aufwand, mit der diese Galerie ihre Ausstellungsbesucher von einer realen Stippvisite abhält. Vermutlich sind die hellen, hohen Räume vor allem wegen ihrer virtuellen Abbildungsqualität als Domizil der Galerie gewählt worden. Mehr noch als die urbane Architektur und die Lage neben dem Prime Tower. Das ist natürlich heiterer Unsinn, aber ein Blick auf die Homepage lohnt sich. Der Grund für das kapitale Auftreten der Galerie liegt an der Ware, die angeboten wird, am Kunden und seinen Erwartungen an die Umgebung und den Service. Dieses zielstrebige Kalkül ist auf dem Niveau der Galerie Presshuber zu erwarten und eigentlich nicht besonders erwähnenswert, wenn nicht – und deshalb diese Einführung – bei der Präsentation des kanadischen Künstlers Steven Shearer eine überaus marktaffine Auswahl die inhaltliche Arbeit des Künstlers überlagern würde. Wenn einem ab und an auffällt, wie unverfroren früh Weihnachtszeugs in den Läden liegt, oder wie Autohäuser Formen von Kunst, Frauen und klobigem Design zusammenschustern, so zeigt dies insbesondere, wie wenig das Kundensegment in der Kunst vom Unterhaltungswert Bildung hält. Natürlich hat die Kombi Presenhuber/Shearer im Sinn, aus halbseidenem Material eherne Kunst zu machen und umgibt sich mit der Gunst der Rhetorik des kunstkritischen Genres, als wäre dieser Kanon nicht längst nur noch ein Detail einer nicht mehr konstruktiven Entwicklung. Die Kunst hat lange profitiert von den Medien im Informationszeitalter und dem Traum des Silicon Valley von überall vorhandenen Informationen, die Gerechtigkeit und Frieden in die Welt bringen. Was ansonsten nur noch Indoor-Kiffer und Teenager rezitieren, scheint bei Shearer das undeutliche Hintergrundgemurmel zu sein, von dem Presenhuber träumt, es sei wie bei einer Messe, so was wie eine gottgegebene laterale Störung. Bei den amerikanischen Käufern und bei der religiös erzogenen europäischen Elite wandelt der Künstler immer an der Grenze zwischen Debilität und Genie: es fördert den Absatz. Ist die Show also ausgebuffter, als es der Saaltext vermuten lässt oder man anhand der Leseordnung in der Ausstellung vermuten würde? Mag sein. Unklar ist jedenfalls, wem der Verdienst für diese Ausstellung zukommt? Ist es der Künstler, der found photography betreibt – mittlerweile nicht mehr nur ein in ollen Brockenhäusern oder romantischen Dachkammern der Grosseltern Herumgestöbere – sondern nunmehr eine akademische Disziplin – in so einem unerträglichen Masse, dass er als Fundort sich selbst angeben kann, ohne dass es jemand interessieren würde. Fremdschämen ist in, wenn die Drucke von belanglos bemühten Jugendlichen aus den 70ern (Shearer hat Jahrgang 1968) wie zu Warhols Zeiten eingefärbt, dazu herhalten müssen, dem Selfie der Gegenwart die revolutionären Gesten der Altvorderen nahe zu bringen. In dieser Form ein Rohrkrepierer, der hier ungewollte Dramatik auslöst. Wie verbogen die Ausstellung selbst daherkommt und wie unklar es ist, wo die Arbeit des Künstlers aufhört und wann das Marketing der Galerie zu greifen beginnt, zeigt sich anhand des einmalig vorkommenden Kunststücks, einer kleinen Zeichnung des Künstlers. Die winzige Porträtzeichnung, wahrscheinlich mit Rötel gezeichnet, als Referenz an die Renaissance (Saaltext), verweist auf das (Früh-)Werk des Künstlers, der mit diesen Arbeiten um 1990 von Kanada nach New York gezogen ist. Diese zugänglichen und klaren Zeichnungen, die seine künstlerischen Herkunft und Qualität zeigen, sind wie zu einer Privatsache des Künstlers geworden. Die langwierigen und sensiblen Produktions- und Fabrikationsprozesse dieser Zeichnungen passen nicht zum hektischen und illustren Betrieb einer internationalen Galerie. Der Galerieraum würde sich leer anfühlen. Das Publikum wäre darüber sicherlich enttäuscht, die Aktionäre entrüstet. Nicht viel anders macht es übrigens die Galerie Peter Kilchmann im selben Haus. Shirana Shahbazi (1974) zeigt dort, dass es nie Schamgrenzen in der Kunst-Produktion geben kann, wenn die Endsumme stimmt. Ihre durchaus ansehnlichen (mitunter auch abstrakten) Fotos hängen in breiten silbernen Rahmen und werden konterkariert von knallenden geometrischen Farbvariationen, die auf die Wand gemalt sind. Es ist also ein Haufen Mist aufgebahrt, der stinkt. Und was stinkt, das war in den 70ern die revolutionäre Bewegung und muss heute scheinbar auch die kritische Kunst.



Volvo art im Schiffsbau




Kunst: Szene Zürich 2018

Die Teilnahme an einer All–Inclusive–Ausstellung schadet nie, zeigt die Erfahrung vieler Kunstschaffenden. Ein schaler Geschmack hängt dennoch an der aktellen Ausschreibung der Stadt Zürich an. In welchen Räumen oder Atmosphären die Arbeiten gezeigt werden, ist nicht transparent. Das kann man als Experiment verkaufen, für mehr dann aber auch nicht. Zu erwarten sind spontan gegründete OFF-Spaces, die sich einen lustigen Abend machen wollen. Kriterien: unkommerziell und nicht bereits unterstützt durch dieselbe Behörde. Die Realität in Zürich zeigt, dass der Umsatz und die coolen Gestalten an der Bar das hauptmotiv für die Gründung einer Start-UP Galerie sind. Während die Käuferschaft wie immer aus sozialen Bindungen entstammt. Für engagierte Künstler_innen ein Ärgernis und als städtische Förderung nicht mehr als ein Scherzartikel. Sind beispielsweise die Werke versichert? Die Qualität der Eingaben fördert man mit diesem einseitig verteilten Risiko nicht. Als Kriterium für die Ausstellungsorte dient eine völkische Idee, die der Partizipation mit dem gemeinen Volk, welche heutzutage wieder en vouge ist. Für Sozies und Grüne genauso wie für die Potentaten der Wirtschaftsparteien, die wissen, wenn die Kunst dem freien Marktt unterstellt wird, dann werden sie die Herren bleiben. Der heimische Mittelstand, der demografisch die Demokratie ausrichtet, nutzt die Taktik wie zu wilhelminischen Zeiten (1890 – 1914)müber die Künste. Demjenigen, dem hier die Rolle des Kommunisten und Proletariats spielen sollte, sucht währenddessen im Kühlschrank nach Essbarem. Dieser Widerspruch zeigt auf, wie unkritisch die Schaltstelle der städtischen Kultur den Strategien aus den Hochschulen folgt. Und es zeigt vor allem auf, dass sie trotz klammer Kasse leiber lustig unerwegs ist, als die Kernprobleme der Szene anzugehen.




Kunst: Szene Zürich 2018
Ankündigung eines Experiments
Der nächste Meilenstein wird die Ausschreibung des erwähnten Projekt- und Ideenwettbewerbs sein. Oder vielleicht doch nicht ... -Homepage Stadt Zürich



Kontertext: Wer gut schläft und wer nicht

Felix Schneider / 18. Aug 2017 - Adam Szymczyk, Kurator der documenta, denkt über die Welt und die Kunst von heute nach. Die NZZ vergisst journalistisches Handwerk.
- Artikel von Felix Schneider

- Kommentar der NKZ



CHRISTOPH SCHREIBER - Unentwirrbarer Busch am Rande der Schlucht. Freitag 25. August 2017 ab 18h in der Galerie Mark Müller GMap
- Übungsblatt SFEB


Juli 2017

Sarajevo–Zürich: Unlimited, Besuch in der privaten Kunstinitiative Walcheturm, weiter
Juli 2017

Das Projekt NKZ bewirbt sich für die kuratorische Leitung der Twingi-Landart.
- Auszug Bewerbungsunterlagen, Pdf-Format


Juni 2017

Kommentar zu:
tsüri – 13 Gründe, weshalb die Zürcher Kulturpolitik. Zugang ist nicht kostenlos; wir haben aber keine Provision
In allen Ehren, Herr Weber ... weiter

Mai 2017

Projekt Safari und Neue Kunsthalle Zürich. Experimentelle Vermittlung, Schule und Kunst im Kanton Aargau. Die Jury hat das Projekt Neue Kunsthalle X angenommen. Start ist am 10. Juni 2017 im Stadtmuseum Aarau.
PDF für Lehrkräfte, Handout

Die Einigelung von Christoph Rütimann wird in Zug platziert. www.kunsthauszug.ch, 22. Mai bis 31. August 2017


April 2017

Die HV der NKZ wird am Zollikerberg durchgeführt (vielen Dank für die Bewirtung an die Familie Moser!). Auszug Protokoll: 1. Die Bisherigen werden wiedergewählt, 2. Revisionsbericht 2016 wird angenommen, Budget 2017/18 und Zielsetzungen des Vorstandes werden einstimmig verabschiedet.


Februar 2017

Die NKZ bewirbt sich für die Leitung der Shedhalle Zürich.
Auszug Bewerbungsunterlagen, Pdf-Format



Das Projekt NKZ auf der Pfingstweid ist nun auch finanziell abgeschlossen. Die letzten Rechungen sind verbucht.

Die Neue Kunsthalle Zürich beteiligt sich nicht am Wettbewerb Gasträume der Stadt Zürich.


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