Palazzo Wyler, 2012, Abruchobjekt/Zwischennutzung Wylerringstrasse 77 Bern.




Quelle: Google map 2018


Ausgangslage
a. Über 20 Kunstschaffende und Off-Space-Gruppierungen bespielen ein fast leerstehendes Mehrfamilienhaus in einem Wohnquartier mit ihren unterschiedlichen Ideen und Projekten. Die Grundidee ist eine Ausstellungskonzept aus der Präsenz von lokaler (Quartier-) Kunst und dessen Wirkungskreis. Dazu kommen die experimentellen Möglichkeiten hinsichtlich der künstlerischen Verwendung eines Baukörpers, der anschliessend abgebaut wird. Grosszügige Voraussetzungen, mit denen Künstler_innen selten umgehen können.

b. Die räumlichen Möglichkeiten für alternative Kunsträume und Off-Spaces waren gering. Vor allem aber ist es schwieriger künstlerische Projekten umzusetzen. Es gibt einen Druck seitens der Kuturämter zur Professionalisierung der Projekte und ihrer Eingaben — hauptsächlich wegen der Controllinginstrumente, die die neue Verwaltungsphilosophie der Öffentlichen Hand auszeichnet — der angesichts der spärlichen und kleinen Beträge absurd erscheint. Sie stehen auch in keinem Verhältnis zu den Projekten, die die Institutionen durchführen können.

c. Mehrere Kultur-Projekte der Stadt und des Kantons sind gescheitert oder Fehlkonstruktionen (Zentrum Paul Klee), haben aber keine personellen Konsequenzen zur Folge. Die Ohnmacht der Kunstschaffenden gegenüber dem Establishement — dazu gehört auch die SP der Stadt Bern, der Begriff Cüplisozialist wird unumgänglich —, die das knappe Kulturgeld mit nochalanter Inkompetenz verschleudert, gleichzeitig die Basis ausdünnt (Ateliers der Stadt werden nicht ersetzt, Budgets gekürzt oder zugunsten der Leuchttürme und partizipativen sozialen Projekten wie Strassenmusik und Gauklerei umgeschichtet), nimmt stetig zu. Der Stadtpräsident und seine Kultursekretärin sind Beratungsressistent.




d. Die Idee kam auf, dass sich die Kunstschaffende selber organsisieren müssen, eine autarke Struktur aufbauen müssen. Kontext war auch die rechtsbürgerliche Verschiebung in der Politik. Vor allem die linken Parteien in den urbanen Zonen wurden ohne äusseren Zwang konservativer. Die Kultur soll gratis (es ist eine Ehre als Künstler dem Volk zu dienen) und niederschwellig das Volk unterhalten. Künstlerische Grundlagenforschung war vorgestern. Unterschwellig wurden die Künstler für den Hype des Kunstmarkt verantwortlich gemacht. Das Pöpel schlug zurück.
Die linken Politiker und vor allem die Frauen der linken Parteien, die langsam aber sicher in den Kommunen Macht entfalten konnten, scheinen sich ingsgeheim an der partriarchischen Kunst zu rächen, von der sie immerzu belächelt worden ist. Es ist wie der Streber, der als erfolgreicher Geschäftsmann ins Dorf zurückkommt und furchtbar Rache für die Hänseleien nimmt ... Sigmar Umself 2011

Methode
Durch die Grösse des Gebäudes und die zweistöckigen Wohnungen sind unzählige Variationen möglich. Bilder



Quelle: http://www.flatterlesyeux.ch/2012/02/

Ziele
a. Neue transparente Kommunikationswege zu erforschen, um eine andere Beziehungen zum Publikum zu schaffen. Bei diesem Projekt waren die Besucherzahlen astronomisch. Trotz des teilweise extremen Lärmpegels an den Wochenenden gab es keine Lärmklagen oder sonstige Beschwerden aus der Umgebung.

b. Neue Plattformen für unabhängige künstlerische Produktion erschliessen, ist immer noch ein Thema. Die Zwischennutzung war damals in Bern noch immer ein neues Instrument — das städtische Amt für Kultur musste noch immer gegenüber dem Eigentümer für die redlichen Absichten der Initianten bürgen.

Konzept und Realisation: Richard Hummel‐Renée Magaña‐Boris Billaud, u.a.

Mit Unterstützung der Liegenschaftsverwaltung der Stadt Bern und den Bauherren.

Artikel Berner Zeitung: Palazzo Wyler: Kunst mit Ablaufdatum

Artikel Tages Anzeiger: Ein Abbruchhaus wird zum Kunst-Palazzo

Artikel Blick: Kunst-Aufbruch vor dem Abbruch